Noch sind rund hundert Asylwerber dort untergebracht, wo sich früher Studenten der Wirschaftsuniversität getummelt haben. An der Althanstraße im Alsergrund ist nun eine Umquartierung im Gang: Bisher stand das Gebäude der alten Wirtschaftsuniversität (WU) interimistisch der Bundesagentur für Betreuung (BBU) für dringend benötigte Unterkünfte für Asylwerber aus diversen Staaten zur Verfügung. Denn die Bundesländer mit Ausnahme von Wien und dem Burgenland übernehmen zu wenige Flüchtlinge aus der Bundesbetreuung. Nun wird die Stadt Wien in der alten WU vor dem Winter das neue Ankunftszentrum für Kriegsvertriebene aus der Ukraine errichten.

Für das Innenministerium und BBU erhöht das Auslaufen der Wirtschaftsuniversität als Übergangsquartier den Druck, in den Bundesländern andere feste Unterkünfte für Asylwerber zu finden. Deswegen war am Mittwochabend nun ein Krisengipfel der Landeshauptleute mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) angesetzt. Die Bundesagentur hat davor nochmals eindringlich vor Obdachlosigkeit für Asylwerber gewarnt. Zelte in mehreren Bundesländern für Flüchtlinge sorgen seit Wochen für Aufregung.

Nach Angaben von Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) wird die zwischen Bund und Ländern vereinbarte Quote zur Flüchtlingsunterbringung von Wien mit knapp 182 Prozent mehr als übererfüllt. "Wien zeigt eindrucksvoll, wie es geht, wenn alle an einem Strang ziehen", betont Hacker.

23.000 Frauen und Kinder aus der Ukraine

35.000 Flüchtlinge sind derzeit in Wien in der Grundversorgung. Jene rund hundert in der alten Wirtschaftsuni müssen allerdings möglichst bis zum Wochenende in ein neues Quartier. Dann läuft die von der Stadt Wien der BBU angebotene eineinhalbmonatige Übergangslösung ab.

Der frei werdende Platz wird dringend für das neue Erstaufnahmezentrum für Frauen und Kinder, die wegen des russischen Krieges aus der Ukraine fliehen, benötigt. Vor dem Winter wird mit einem verstärkten Andrang gerechnet. Rund 23.000 Ukrainerinnen und Kinder sind in Wien derzeit untergebracht. 89 Prozent davon in privaten Quartieren. 26.000 Menschen haben seit Kriegsbeginn Ende Februar in Wien ihren Wohnsitz gemeldet.

Im Aufnahmezentrum sollen neu eintreffende Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine nur bleiben, bis sie weiterreisen oder in ein anderes Quartier übersiedeln. Aufrecht bleibt als Anlaufstelle für Ukrainer die Sport- und Fun-Halle in der Leopoldstadt neben dem früheren Dusika-Stadion.

350 Frauen und Kinder aus der Ukraine werden eben im leerstehenden ehemaligen Hotel de France an der Ringstraße untergebracht. Das ist dank Spenden des Vereins "Wir helfen rasch" und der Atlan-Privatstiftung als Eigentümerin der Immobilie möglich.