Wollte Ernst Nevrivy (SPÖ), Bezirksvorsteher der Donaustadt, bei der Bevölkerung Gehör finden, dann ist Montagnachmittag einiges schief gelaufen. Nevrivy hatte auf Antrag von ÖVP und FPÖ zur Bürgerversammlung ins Veranstaltungszentrum Metastadt geladen. Diskutiert werden sollte das von Anrainern bekrittelte Wohnbauprojekt "Quartier Süßenbrunner West". Doch so wie die Bürgerversammlung vom Bezirk geplant war, wurde eine Debatte über Für und Wider der 1.200 geplanten Wohnungen entlang der Süßenbrunner Straße nahezu verunmöglicht. Zunächst aber sei hier der Hintergrund der Bürgerversammlung erläutert. Wie die "Wiener Zeitung" bereits berichtete, sind auf einem langgezogenen Feld zwischen Süßenbrunner Straße und Gewerbepark Stadlau auf einem 8,5 Hektar großen Areal Wohneinheiten für mehrere Tausend Personen geplant. Nicht das einzige große Wohnprojekt, das in der Donaustadt derzeit auf der grünen Wiese gebaut oder geplant wird. Erst vor zwei Wochen hatten acht Bürgerinitiativen aus den nördlich der Donau gelegenen Bezirken Floridsdorf und Donaustadt vor dem Wiener Rathaus gegen die ihrer Meinung nach ausufernde Verbauung demonstriert.


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Seit mehreren Jahren versucht die Bürgerinitiative Süßenbrunnerstraße gegen das geplante Wohnbauprojekt auf der Grünfläche zu mobilisieren. "Wir wollen die Bodenversiegelung hintanhalten", sagt Bernhard Spuller von der Bürgerinitiative. "Flächen, die so dringend notwendig sind, für Entwässerung, für Kühlung, will die Stadt Wien versiegeln lassen." Nun kam es also zur Bürgerversammlung. Bezirksvorsteher Nevrivy erklärte (mit Mikrofon) den Hintergrund des gemeinnützigen Wohnbaus entlang der Süßenbrunner Straße. Dann begrüßte ein Moderator (mit Mikrofon) zur "Informationsveranstaltung", was einige der rund 100 Teilnehmer erbost "Bürgerversammlung" ausrufen ließ. Beamte der Magistrate - von Stadtplanung bis Umweltschutz - sowie Mitarbeiter der Bauträger standen den Bürgern bei Info-Ständen als Auskunftspersonen zur Verfügung.

Nevrivy selbst begab sich in einen Nebenraum, um dort Rede und Antwort zu stehen. Allein, man konnte seine Ausführungen kaum verstehen. Er sprach in dem hohen, hallenden Raum derart leise, dass er nur für eine handvoll Personen, die direkt vor ihm standen, verständlich war. Mehr Doskozil als Demosthenes. Den (wiederholten) Aufruf von Bürgern, er solle doch ein Mikrofon verwenden, quittierte der Bezirksvorsteher schließlich mit einem: "Das entscheiden nicht Sie!"

"Schreien Sie nicht so"

"Diese Versammlung ist eine Farce", zog Spuller von der Bürgerinitiative später Bilanz. Anrainer, die ihre Stimme erhoben, um in dem eher ungeeigneten Setting Gehör zu finden, wurden von Nevrivy zurechtgewiesen: "Schreien Sie nicht so."

"Ich bin entsetzt über die Art und Weise, wie mit den Bürgerinnen und Bürgern und ihren berechtigten Ängsten umgegangen wird", ließ auch die Donaustädter ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler kein gutes Haar an der Art und Weise, wie die Versammlung vonstatten ging. Dass hier keine Lösung gefunden werden konnte, war schon von Beginn an klar. "Wir wollen diesen Bau verhindern", riefen Anrainer, denen künftig bis zu 33 Meter hohe Gebäude vor die Nase gesetzt werden.

Der Bezirk wiederum hat die Flächenwidmung des Geländes im Sommer mit den Stimmen von SPÖ und Neos für positiv befunden - die Umwidmung selbst wird vermutlich am 21. Dezember im Gemeinderat beschlossen werden. Der Bezirksvorsteher verwies mehrmals auf die Notwendigkeit leistbaren Wohnraums, der durch "Verdichtung" bestehender Siedlungen ermöglicht werde.

"Ihr redets immer von Umweltschutz und Klimaschutz und macht alles kaputt", zeigte sich eine Frau wenig beeindruckt. "Süßenbrunner Straße, Berresgasse, Seestadt - ihr betoniert alles zu", meinte eine andere Teilnehmerin. Die Teilnehmer brachten die bekannten Argumente vor: Bodenversiegelung, Vernichtung wertvollen Ackerlandes, mehr Verkehr - "wir wollen nicht die nächste Stadtrandsiedlung werden" und der Lebensraum des unter strengsten Schutz stehenden Feldhamsters, der es sich auf dem künftigen Bauland gemütlich gemacht hat, sollte ebenfalls erhalten bleiben, hieß es.

Eine Frau sprach die mangelnde Infrastruktur an, die Probleme bereite. "Es gibt hier jetzt schon keine ärztliche Versorgung und jetzt sollen noch mehr Leute hierher ziehen." Diesbezüglich verwies Nevrivy auf die Ärztekammer.