Der krisenbedingte Rotstift macht auch vor der Volksbildung nicht halt. Bei den Wiener Volkshochschulen wird umstrukturiert, Personal eingespart und Direktionen werden zusammengelegt. Bei der Stammbelegschaft steht die Kündigung von 50 bis 70 der etwa 1.000 Mitarbeiter im Raum. Darüber hinaus wurden auch Rückstellungen und Rücklagen abgebaut und im Herbst zudem die Kursgebühren um zehn Prozent erhöht. Im Herbst hat man laut Volkshochschulen erstmals in etwa wieder Vorkrisenniveau bei den Kursbuchungen erreicht.

Doch all diese Maßnahmen reichen offenbar nicht aus. Deshalb schießt die Stadt Wien den Volkshochschulen nun im Rahmen eines Rettungspaketes einmalig fünf Millionen Euro zu, um das Angebot 2023 aufrechterhalten zu können. Die Wiener Volkshochschulen sind eine gemeinnützige GmbH, an der zu 25,1 Prozent die Stadt Wien und zu 74,9 Prozent der Verband Wiener Volksbildung beteiligt sind. Finanziert werden die Volkshochschulen durch ihre Kurseinnahmen einerseits und das seit 2008 gültige Finanzierungsabkommen mit der Stadt Wien andererseits. Letztere förderte den Bildungsauftrag der Volkshochschulen im Jahr 2022 mit 23,1 Millionen Euro.

Das Budget ist allerdings schon vor längerem ins Schleudern geraten. Von 2013 bis 2019 hatte die Gesellschaft alljährlich ein negatives Jahresergebnis. Danach mussten die Volkshochschulen coronabedingt überhaupt schließen. Der Stadtrechnungshof plädierte 2021 unter anderem für eine Reduktion der Standorte, lobte aber immerhin das Sanierungskonzept für die Jahre 2019 bis 2022.

Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) kündigte nun an, beim Restrukturierungsprozess einen Gang zulegen zu wollen. "Wir werden gemeinsam mit der Geschäftsführung der Volkshochschulen im ersten Halbjahr 2023 den Restrukturierungsprozess, der 2018 eingeleitet wurde, mit externer Begleitung intensivieren. Dabei werden wir ohne Tabus auf alle möglichen Maßnahmen schauen, die das wirtschaftlich tragfähige Fortbestehen der Volkshochschulen sichern können", erklärte der Vizebürgermeister.

Für den Herbst 2023 wird dann die Verabschiedung eines neuen Finanzierungsabkommens der Volkshochschulen mit der Stadt Wien angepeilt, das einen mehrjährigen Konsolidierungspfad beinhaltet.