Eva Ottillinger, Referatsleiterin und Kuratorin im Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien, in einer der 2003 aus dem Café Museum entfernten Sitzbänke. - © Foto: Johann Werfring
Eva Ottillinger, Referatsleiterin und Kuratorin im Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien, in einer der 2003 aus dem Café Museum entfernten Sitzbänke. - © Foto: Johann Werfring

Im Jahr 1899 wurde in der Friedrichstraße, unweit des Wiener Karlsplatzes, das Café Museum eröffnet. Für die Gestaltung der Räumlichkeiten zeichnete der berühmte Architekt Adolf Loos (1870 bis 1933) verantwortlich.

Im Vergleich zu anderen Wiener Kaffeehäusern jener Zeit wirkte die Innenausstattung des Café Museum geradezu spartanisch. Zwar hatte Adolf Loos für das Kaffeehaus-Interieur durchwegs edle Materialien verwendet, hingegen jegliche ornamentale Überfrachtung vermieden.

Nicht alle Zeitgenossen konnten sich mit solch zurückgenommener Noblesse anfreunden. Der Kunstkritiker Ludwig Hevesi etwa spöttelte über den Architekten und sein Kaffeehaus: "In diesem Erstlingswerk geht er (Loos) allem, was Kunst heißt, in weitem Bogen aus dem Wege."

Wie berichtet wird, brachte die Kritik Hevesis dem neuen Kaffeehaus, wo nach dessen Verständnis alles Schöne ausgespart war, sogleich den Spitznamen "Café Nihilismus" ein. Nichtsdestotrotz wurde es alsbald zu einem beliebten Treffpunkt von vielen Kapazitäten des Wiener Kulturlebens.

1930/31, also noch zu Lebzeiten von Loos, wurde der Innenraum des Café Museum von dem aus Südtirol stammenden Architekten Josef Zotti (1882 bis 1953) umgestaltet. Prägend wurden nun vor allem die halbrunden roten Sitzbänke, die dem Kaffeehaus einen gemütlichen Wohnzimmercharakter verliehen. Auch die von Adolf Loos gestalteten Bugholzsesseln mussten einer komfortableren Bestuhlung weichen.

Heutige Sitzgelegenheiten im Café Museum: Rekonstruktion nach Adolf Loos. - © Foto: Johann Werfring
Heutige Sitzgelegenheiten im Café Museum: Rekonstruktion nach Adolf Loos. - © Foto: Johann Werfring

Als sich der Besitzer des Lokals 2003 entschloss, den ursprünglichen Zustand des Lokals wiederherzustellen, gab es unter Wiens Kaffeehausfans nicht nur zufriedene Gesichter. Manche Gegner der Loos-Rekonstruktion führten nach der Umgestaltung ins Treffen, der ursprüngliche Zustand sei in mehrerlei Hinsicht nicht oder nur unzureichend hergestellt worden. Andere Kritiker kehrten dem Café Museum vor allem deshalb den Rücken, weil die Loos´schen Bugholzsesseln bei weitem nicht so komfortabel sind wie die vielgeliebten halbrunden roten Sitzbänke von Josef Zotti.

Heute können Kaffeehausnostalgiker einen Teil dieses Mobiliars noch im Museum bewundern, wo es immerhin vor der Vernichtung sicher ist.

"Schweigen im Café Museum"

Eva Ottillinger, Kuratorin im "Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien", freut sich, dass die Gegenstände zumindest noch museal gezeigt werden können: "Es galt im Hofmobiliendepot jenes Ambiente zu erhalten, in dem der Nobelpreisträger Elias Canetti das berühmte Kapitel Schweigen im Café Museum aus dem autobiographischen Band Augenspiel verfasste und zahlreiche andere Literaten und Künstler Stammgäste waren."

Print-Artikel erschienen am  5. Februar 2009
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7