Wien. "15 Jahre g’hört’s schon uns - und hergeben tu’ ma’s auch nimma!", lächelt Albert, Pensionist und Langzeitbadegast. Mit seinen kräftigen Händen deutet er auf die Kabane hinter sich. Durch Zufall ist ihm und seiner Frau Helga das Glück zuteil geworden, eine dieser begehrten Kabanen - eine kleine Kabine mit etlichen Schränken und Abstellflächen im Strandbad Gänsehäufel an der Alten Donau - seit Jahren zu mieten. Um hier alljährlich Urlaub zu machen.

Dieses Privileg hat freilich nicht jeder, da die Wartezeit auf solche Kabanen zwischen drei und fünf Jahre beträgt. "Anmelden kann sich jeder, der mindestens drei Jahre eine Kabane mitbenützt hat. Die Kosten belaufen sich auf 603 Euro pro Saison, wobei der Eintritt ins Strandbad für den Hauptbenützer und zwei weitere Mitbenützer inkludiert ist", erklärt Bäder-Sprecher Martin Kotinsky. "Ein Lichtbildausweis ist dabei Pflicht, denn der Ausweis ist nicht übertragbar."

Liebevoll werden die Veranden mit allerlei Blumen, kleinen, hölzernen Tisch-Garnituren und bunten Fadenvorhängen wohnlich geschmückt und geben jeder Kabane eine persönliche Note. Die Veranden sind quasi das Aushängeschild jedes Besitzers und dessen ganzer Stolz. Die Fassade darf allerdings nicht verändert werden, da alle Kabanen unter Denkmalschutz stehen, sagt Kotinsky.

Kein Stromanschluss
Insgesamt 3360 Kabinen, von denen 2165 Saisonkabinen sind, befinden sich nordöstlich der Sandinsel und bilden fast eine Art "Kabinendorf". "Lange könn’ ma am Abend aber net draußen sitzen, da fehlt uns die Elektrik und somit auch die Beleuchtung", meint Albert. Und um 20 Uhr ist sowieso Badeschluss.

Der gemütliche Pensionist und seine Frau Helga kommen im Sommer fast jeden Tag ins Strandbad Gänsehäufel und das schon von Kindheitstagen an. "Es g’fällt uns einfach hier, so ein riesiges Areal, da is’ für jeden was dabei", betont die Hausbesorgerin Helga und nimmt einen Schluck von ihrem Sommerspritzer, "Generell ist die Insel toll gepflegt. Brauchen Sie sich nur die WC- und Brauseanlagen anschaun."

So wie Albert und Helga denken viele Besucher des Gänsehäufels und kommen - nicht nur wie gestern bei fast 35 Grad - regelmäßig zum Abkühlen, Bräunen oder einfach nur zum Ausruhen ins Strandbad. Auch den 67-jährigen Pensionisten Robert zieht es ständig ins Strandbad: "Die Kombination von Naturstränden und Schwimmbecken find’ ich super. Da kann ich am Strand mit den Nachbarn schnapsen, aber auch einmal mit den Enkerln im Pool schwimmen. Was natürlich auch nicht unwichtig ist, ist der Preis - und der stimmt." Die Monatskarte kostet 17,70 Euro.

Die Gesamtfläche des Inselareals beträgt circa 33.000 Quadratmeter und geizt nicht mit seiner Badeanlage. Drei Naturbadestrände und insgesamt fünf Poolbadebereiche beherbergt die Sandinsel. Für das ältere Publikum gibt es ein Senioren-Shuttle, welches gebrechliche Leute mittels Elektro-Caddy von A nach B chauffiert. Ein weiterer Shuttle-Service steht den Badegästen von der U1-Kaisermühlen direkt zum Strandbad zur Verfügung.

Vor allem an besonders heißen Tagen kommen im Durchschnitt 10.000 Wasserratten und Sonnenanbeter auf die kleine Insel. Am Mittwoch stürmten knapp 20.000 Badegäste das Gänsehäufel. Albert und Helga sind sich einig: "Gegen die Hitze kann man eh nicht viel machen, außer im Schatten sitzen oder baden gehen. Der eine oder andere Spritzer hilft da natürlich auch." Für das leibliche Wohl der Badegäste sorgen drei Buffets sowie ein Strandcafé, ein Eissalon und auch eine Trafik. "Vor allem das Restaurant am Weststrand hat’s uns angetan, da kann man gut essen und die Sonne genießen", sagt der stämmige Pensionist. Albert und seine Frau sitzen aber am liebsten gemütlich vor ihrer Kabane auf den weißen Gartenmöbeln und beobachten mit Vergnügen die Menschen und das Geschehen im "Kabinendorf". Hier tut sich nämlich immer etwas.

Seit 15 Jahren Urlaub
Seit 15 Jahren machen sie nun Urlaub hier im Gänsehäufel und erzählen: "Wie in jeder Gemeinschaft gibt’s auch hier kleine Streitereien unter Nachbarn. Meistens geht’s da aber nur um belanglose Kleinigkeiten - aber das is’ ja nicht unser Salat." Die meisten Nachbarn seien stets freundlich zueinander. "Da rennt dann auch der Schmäh", sagt Albert und nippt an seiner Bierdose.