Der Christian-Broda-Platz zu Beginn der Mariahilfer Straße bietet einige der wenigen Sitzbänke im Grätzel. Foto: flor
Der Christian-Broda-Platz zu Beginn der Mariahilfer Straße bietet einige der wenigen Sitzbänke im Grätzel. Foto: flor

Immobilien-Umfragen zufolge findet sich der sechste Bezirk immer wieder unter den beliebtesten Wohnbezirken. Renate Kaufmann (SPÖ), die 2001 die Bezirksvorstehung von der ÖVP übernahm, stellt dies mit ihrer Tätigkeit in Zusammenhang: "Bei uns werden Änderungen, die den öffentlichen Raum betreffen, mit Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt", erklärt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn die besten Lösungen für den öffentlichen Raum fände man gemeinsam mit den Bürgern. Im Zuge des Baus der Volksgarage in der Hofmühlgasse sei etwa ein Park nach den Wünschen der Anrainer gestaltet worden. Überhaupt seien in ihrer Amtszeit als Bezirksvorsteherin in Mariahilf mehr Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt worden, als in allen anderen Bezirken gemeinsam, betont Kaufmann.

Dass die Bezirksbewohner in vielen Angelegenheiten einbezogen werden, streitet auch der ÖVP-Spitzenkandidat im Bezirk, Gerhard Hammer, nicht ab. Bei "wirklich wichtigen" Projekten fänden diese allerdings nicht statt, meint der sich selbst als "Anwalt der Anrainer" bezeichnende Spitzenkandidat. Die Interessen der Bewohner im Fall der geplanten Verlegung der Drogenberatungsstelle Ganslwirt an den Gumpendorfer Gürtel etwa seien nicht berücksichtigt worden: "Die Anrainer verstehen nicht, warum gerade dort so viele Sozialeinrichtungen in derartig konzentrierter Form angesiedelt werden müssen", sagt Hammer und verweist auf das am Gürtel ansässige Aids-Hilfe-Haus und das AMS für Jugendliche. Man wolle das Grätzel doch aufwerten - wo doch erst in der Wallgasse "so ein schöner" Park entstanden sei. Zudem sei es "doch unzumutbar", den Spritzentauschplatz Wiens neben einer Einrichtung für Jugendliche zu platzieren. Ursprünglich war der Spatenstich für den Sommer angekündigt, zurzeit prüft die Bauoberbehörde allerdings einen Einspruch.

Soziale Einrichtungen

Mit dem neuen Standort für den Ganslwirt ist man auch bei der FPÖ nicht zufrieden. Anders als die ÖVP, die auf den 10. Oktober hofft, glaubt man dort jedoch nicht, dass das Projekt noch zu verhindern sei: "Es muss aber nun genügen, wir wollen uns keine weiteren sozialen Einrichtungen aufs Aug drücken lassen", sagt FPÖ-Spitzenkandidat Hubert Grillmayer. Außerdem fordert er mehr Sicherheit für den Bezirk - vor allem mehr Polizisten sollten sich auf den Straßen des Sechsten zeigen.

Jedenfalls allgegenwärtig auf den Straßen des Bezirks ist der Verkehr. Vor allem den Durchzugsverkehr will die Spitzenkandidatin der Grünen, Susanne Jerusalem, beruhigen. "Die Webgasse oder die Stumpergasse sind für viele Autofahrer gängige Schleichwege. Das wollen wir unterbinden", meint sie. Zudem soll das Ufer der Wien zu einem Naherholungsgebiet umgestaltet werden: "Die Pläne liegen bereits in der Schublade. Es wäre sowohl für einen Radweg, als auch für eine Fußgängerpromenade Platz", sagt Jerusalem. Auch wolle man "endlich" für einen Anschluss des 57A an die U3 sorgen.

Erwartungsgemäß sehr ähnlich klingen die Vorstellungen der mit sechs Mandaten ausgestattenen Splittergruppe im Bezirk "Echt Grün". Im Juni des Jahres spalteten sich diese nach einem Konflikt, der seinen Ursprung in der Wahl von Susanne Jerusalem zur grünen Bezirksvorsteherkandidatin hatte, ab. Die Gruppe rund um den Grünen-Klubobmann Mariahilfs, Manfred Rakousky, sah darin einen "Putsch" der Landespartei. Jerusalem blieb mit vier Mandataren zurück. Zwei weitere Mandatare gingen bereits kurz nach der Wahl im Jahr 2005 an die "Initiative GrünSozial" verloren.

"Die Bezirksvorstehung wäre für die Grünen in Griffnähe gewesen, wenn die Partei nicht ohne Mehrheit der Bezirksmandatare auf die bezirksfremde Jerusalem gesetzt hätte", meint Rakousky. In einem klassischen "Copy-und-Paste-Verfahren" hätte diese nun das gesamte Wahlkampfprogramm mitgenommen, sagt er verärgert.

Wenig erfreut über die internen Querelen der Grünen zeigt sich auch Kaufmann: "Die Spaltung wird eindeutig der ÖVP helfen - die Grünen werden den zweiten Platz nicht erreichen", vermutet sie. Was "schade" sei, da sie mit den Grünen bisher "sehr konstruktiv" zusammengearbeitet habe.

"Natürlich hoffen wir, dass wir nun auf den zweiten Platz kommen", sagt Hammer. Die politische Situation zurzeit abzuschätzen, sei aber schwierig: "Weil so etwas war einfach noch nie da", meint er.