Wien. (may) Der anhaltend hohe Kurs des Schweizer Franken sorgt bei heimischen Häuselbauern und etlichen Kommunen schon länger für Kopfzerbrechen - nun reagiert mit Wien auch Österreichs größte Gemeinde auf den ungünstigen Wechselkurs: Am Montag kündigte Wiens Finanzdirektor Richard Neidinger an, ab sofort bei städtischen Darlehen die Finger von Frankenkrediten zu lassen.

Dem vorausgegangen war massiver Druck des grünen Koalitionspartners, der seit Jahren jegliche Spekulationen mit Fremdwährungen kritisiert; auch der Druck der Öffentlichkeit dürfte diese Entscheidung erwirkt haben, wie Franz Hahn vom Wirtschaftsforschungsinstitut meint: Schließlich sei es derzeit "politisch nicht mehr opportun", Kredite in Franken aufzunehmen, wenngleich eine Neuverschuldung in dieser Währung derzeit durchaus vernünftig sein könnte. Schließlich spreche aktuell vieles dafür, dass sich der Euro-Franken-Kurs wieder ausgleiche.

Wien hat laut Neidinger rund die Hälfte der städtischen Darlehen (Schuldenstand 2010: 3,07Milliarden Euro) in Franken. Bisher sei das Ganze auch ein gutes Geschäft gewesen - mit einem Zinsvorteil von rund 220Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren, so Neidinger.

Allerdings hat sich seit 2008 das Blatt gewendet: Der grüne Finanzsprecher Martin Margulies hat zuletzt vorgerechnet, dass seither der Verlust aus Fremdwährungskrediten auf mehr als 100 Millionen Euro angestiegen sei. "Allerdings wurde dieser Buchverlust nie realisiert", betont Margulies, der in der Ankündigung einen Schritt in die richtige Richtung sieht: "Mit öffentlichen Geldern dürfen keine spekulativen Geschäfte gemacht werden."

Wien genießt im Gegensatz zu Privaten auch einen wesentlichen Vorteil: "Wir sind nicht gezwungen, zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzuzahlen", so Finanzdirektor Neidinger. Erst 2015 oder 2016 sollen die Schulden getilgt werden, um auch einem Kursverlust zu entgehen.

Berechtigte große Sorgen wegen eines Frankenkredits hat indes Linz: 2007 hat die Stahlstadt zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie über 195Millionen Schweizer Franken (damaliger Kurs: 152 Millionen Euro) mit der Bawag eine Art Kurs-Zins-Wette abgeschlossen. Durch den Kursanstieg wären nun zusätzlich 264 Millionen Euro zu zahlen. Die regierende SPÖ fühlt sich von der Bank reingelegt, der Staatsanwalt ermittelt in der Causa.