Wien. Das erste Wochenende im Oktober steht europaweit ganz im Zeichen des Vogelzugs. In Österreich stehen Experten von BirdLife an Vogelbeobachtungs- Hots-Spots für alle vogelkundlichen Auskünfte zur Verfügung. Alternativ kann auch jeder auf eigene Faust zum Fernglas greifen. Initiiert wird der Vogelbeobachtungs-Event von BirdLife International, dem weltweit größten Partnernetzwerk für Vogel- und Naturschutz. Das gemeinsame Anliegen der Ornithologen ist, Bewusstsein für grenzüberschreitenden Vogel- und Naturschutz zu schaffen.

"Wenn das gewohnte Nahrungsangebot immer schwieriger zu finden ist, Insekten und Samen weniger werden, setzt die 'Zugunruhe' bei den gefiederten Sommergästen ein", erklärt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Etwa die Hälfte der in Österreich vorkommenden Vogelarten sind Zugvögel, die im Herbst ihre Brutgebiete hier verlassen, um eine Reise in wärmere Gefilde anzutreten. Andere Arten wie Watvögel, Bussarde und Rohweihen überqueren das Land, um an geeigneten Rastplätzen aufzutanken und weiter zu ziehen. Manche Vögel ziehen nachts und dadurch von den meisten Menschen unbemerkt, andere legen tagsüber weite Strecken zurück – in großen Schwärmen oder auch allein.

Egal welche Route die Zugvögel nehmen, überall sind sie unvorstellbaren Gefahren ausgesetzt. Die massive Zerstörung von Rast- und Überwinterungsplätzen entlang der Zugvogelrouten ist ein großes Problem. Pfiffinger: "Sümpfe werden trockengelegt und die Zugvögel finden ihre gewohnten Plätze zum Rasten nicht mehr". Besonders schlimm ergeht es den Singvögeln, die in südeuropäischen Destinationen Station machen. In Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Malta oder Zypern gehört die Vogeljagd zur Tradition. Leimfallen, Klappnetze oder Schlingenfallen sind die Waffen der erbarmungslosen Gourmet-Jäger. Viele der in Europa gefährdeten Vogelarten landen nach wie vor eingelegt im Delikatesssenglas oder werden zur Spaß-Trophäe illegaler Jägerschaften.

Über 30 Länder beteiligen sich am diesjährigen EuroBirdwatch. Wenn der Sonntag zu Ende geht, werden Vogelmeldungen unter anderen aus Armenien, Aserbaidschan über Russland, Litauern, Rumänien, Bulgarien, Polen, Ungarn, Österreich, der Schweiz, Deutschland, ganz Skandinavien, Portugal, Malta, Italien, Griechenland und Cypern vorliegen. Pfiffinger: "Mit der grenzüberschreitender Vogelbeobachtung wollen die nationalen Partnerorganisationen von BirdLife International Bewusstsein schaffen, dass Vogel- und Naturschutz vor allem auch grenzüberschreitend funktionieren muss."