Ellensohn (r.) im Gespräch mit Schäfer-Elmayer über das gute Benehmen in der Politik. - © Armin Rudelstorfer / Armin Rudelstorfer
Ellensohn (r.) im Gespräch mit Schäfer-Elmayer über das gute Benehmen in der Politik. - © Armin Rudelstorfer / Armin Rudelstorfer

Wien. (bs/apa) Die Grünen sind gerne anders. Deswegen haben sie sich zum 25. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht und Vertreter ihrer Partei mit bekannten Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Gesprächen rund um grüne Themen zusammengebracht. Der Klubobmann der Wiener Grünen diskutierte in diesem Rahmen mit Thomas Schäfer-Elmayer über Anstand in der Politik. Die "Wiener Zeitung" war dabei.


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In den vergangenen 25 Jahren hat sich bei den Grünen viel getan. Von 4,82 Prozent 1986 haben sie sich seither auf mehr als zehn Prozent Stimmenanteil hochgearbeitet. Doch der Traum von der Regierungsbeteiligung konnte zwar in den Bundesländern Oberösterreich und Wien, nicht aber im Bund verwirklicht werden. Umso mehr geben sich die Grünen heute gerne konstruktiv - so sehr, dass sich manche die streitbaren Basisdemokraten der Anfangszeit zurückwünschen.

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Die ersten Jahre im Parlament waren vor allem durch Aktionismus und Provokation geprägt. Im Gedächtnis blieb etwa Andreas Wabls entrollte Hakenkreuz-Fahne im Rahmen der Waldheim-Debatte; die im Plenum ihren Sohn stillende Christine Heindl; aber auch Madeleine Petrovics Marathon-Rede zum Thema Tropenholz. Auch die Forderung nach einem Benzinpreis von 25 Schilling sorgte 1990 für Aufregung. Heute scheinen die umgerechnet 1,82 Euro fast schon realistisch.

Ob man die Regeln des Anstands brechen muss, um sich Gehör zu verschaffen? Schäfer-Elmayer war begeistert - "obwohl man das nicht von mir erwartet" -, als die Grünen im wilden Aufzug ins Parlament gekommen sind. "Schlechtes Benehmen ist für mich, wenn man andere Leute verletzt. Rücksichtslos ist, wenn man sich über eine Unzahl von Dingen hinwegsetzt - oder Intoleranz. Aber dieser Punkt hat mich nicht wirklich gestört."

Änderungen der Form


Was die Entwicklung der Grünen seit ihrem Einzug ins Parlament 1986 bis heute anbelangt, sind die beiden Herren unterschiedlicher Auffassung. War Schäfer-Elmayer 1986 erfreut, dass es endlich jemanden gibt, der sich für Tierschutz, Umweltschutz, Klimaschutz einsetzt, merke er jetzt nichts mehr davon. Eine Einschätzung, mit der Ellensohn immer wieder konfrontiert wird und die er nicht so stehen lassen könne: "Das, wo sich die Grünen am meisten geändert haben, ist eher die Form als der Inhalt. Wir haben sehr viel Kompetenz in anderen Bereichen dazubekommen. Ich versichere, dass wir viele haben, die sich ganz intensiv um den Umweltschutz bemühen." Das zeige auch das Engagement in Wien, wo zum Beispiel Wienstrom das erste Mal, seit es Atomstrom gibt, keinen mehr in sein Netz einspeist, oder die Vergünstigung der Jahreskarte auf 365 Euro im kommenden Jahr.

Was den guten Ton in der Politik anbelangt, sieht Thomas Schäfer-Elmayer, der auch als "Benimm-Papst" gilt, nicht wirklich einen Unterschied zwischen den Parteien, vielmehr sei das von den einzelnen Personen abhängig. "Wenn jemand, zum Beispiel der Peter Pilz, eher ein durchsetzungsstarker Mensch ist, dann kommen halt öfters Sachen, die von der Höflichkeit her vielleicht ein bisschen über das Ziel hinausgehen." Generell erlebe er aber Politik als relativ weniger höflich als vor 25 Jahren.

Ruppiger Ton


Auch Ellensohn hat schon den einen oder anderen Ordnungsruf kassiert, "von denen ich die meisten sogar verteidigen könnte, weil es inhaltliche Probleme waren." Prinzipiell sei der Ton schon sehr ruppig und Politik kein Geschäft, in dem es ausschließlich um den Austausch von Argumenten geht.

Wenn man auf ein Vierteljahrhundert Vergangenheit zurückblicken kann, weiß man auch, was man sich für die Zukunft wünscht. Für Ellensohn ist das ganz klar eine Regierungsbeteiligung im Bund: "Und ja, das würde auch bedeuten eine Umverteilung von Reich zu Mittel, Ärmer, ganz Arm, das würde tatsächlich auch mehr Sozialpolitik bedeuten. Aber wir glauben ja schon lange, dass Umweltschutz und Sozialpolitik zusammengehören."