Wien. Unter tausenden Lachmöwen plötzlich die sensationelle Sichtung: eine Schwalbenmöwe. "Nach unzähligen Besuchen in der Kläranlage Simmering ist es mir endlich geglückt, eine echte Rarität aus den tausenden Lachmöwen herauszupicken", schwärmt Christoph Roland, Ornithologe bei BirdLife Österreich. Der seltene Wasservogel wurde bisher erst vier Mal in Österreich beobachtet. Schwalbenmöwen kommen aus Nordsibirien und Nordamerika - woher dieses Individuum stammt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Eine Verirrung aus Nordamerika ist aber nicht ausgeschlossen.

"Einzelne Schwalbenmöwen erreichen das Binnenland Europas nur im Ausnahmefall", so Christoph Roland. Die Schwalbenmöwen ist ein Brutvogel der küstennahen arktischen Tundren von Sibirien über Alaska und Kanada bis Grönland und überwintert im Südatlantik vor der Küste Namibias und der Kapprovinz Südafrikas. Unterwegs von den nordkanadischen Brutgebieten zu den Winterquartieren kommt es allerdings immer wieder vor, dass bei der Überquerung des Nordatlantiks einzelne Vögel von starken Winden verweht werden oder ganz einfach vom Zugweg abkommen. So erreicht eine geringe Zahl der Langstreckenzieher britische und irische Küstengewässer, die Nordsee und ganz selten auch das Mittelmeer.

Abenteuer Vogelbeobachtung
Ein Privileg also für Wien, dass selbst in einer Großstadt so eine außergewöhnliche Naturbeobachtung möglich ist. "Es gilt nur, immer die Augen offen zu halten", empfiehlt Roland und betont gleichzeitig, warum Vogelbeobachtungen sich immer wieder zu einem spannenden Abenteuer entwickeln.

Unter Ornithologen werden diese seltenen Vogelbeobachtungen sofort weiter gegeben, so dass möglichst viele der Experten noch die Chance haben diese Art mit eigenen Augen zu sehen. Roland: "Nach der nicht einmal einminütigen Beobachtung verschwand der Vogel leider in einem anderen Becken und konnte erst nach einer zweistündigen Suche mit zwei Kollegen im Licht der Laternen beobachtet werden".

Beringte Vögel geben Auskunft über Zugwege
Seit einigen Jahren nützt Roland die Möglichkeit, im Gelände der Kläranlage seine Runden zu drehen und den Möwen auf die Beine zu schauen. "Ganz wenige der im Winter sehr häufigen Lachmöwen - wohl an die 30.000 Tiere übernachten hier - tragen Metallringe, die von Vogelkundlern in anderen Ländern angebracht wurden. Durch das Ablesen der eindeutigen Zahlenkombination kann man einiges über die Wanderbewegungen erfahren", erklärt Roland seinen unermüdlichen Forschergeist.