Wien.

Ärztekammer-Vizepräsident und Betriebsratsvorsitzender der Ärzte im AKH, Thomas Szekeres (links), informierte die Ärzte über die von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) in Aussicht gestellte Geldspritze. - © APAweb / Helmut Fohringer
Ärztekammer-Vizepräsident und Betriebsratsvorsitzender der Ärzte im AKH, Thomas Szekeres (links), informierte die Ärzte über die von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) in Aussicht gestellte Geldspritze. - © APAweb / Helmut Fohringer
Die Ärzte am AKH sind trotz der finanziellen Überbrückungshilfe seitens des Bundes für die Medizinische Universität Wien keineswegs vollends zufrieden. Dank der von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) am Freitag in Aussicht gestellten Geldspritze sind die Journaldienste bis Sommer 2013 gesichert, sämtliche Leistungen für Patienten sollen im bestehenden Umfang erhalten bleiben. Allerdings: "Das reicht nicht aus, um den Aufnahmestopp zurückzunehmen", beklagte Szekeres. Rektor Wolfgang Schütz sei somit gezwungen, auch künftig eine "restriktive Besetzungspolitik" zu betreiben.

Außerdem müssen die Mittel in Höhe von neun Millionen Euro müssen an den Bund zurückbezahlt werden, da die Med-Uni das Geld lediglich als Vorgriff auf das Budget der kommenden Leistungsvereinbarung bekommt. Daher fordern die Ärzte von der Politik eine "nachhaltige Finanzierung", wie Betriebsratschef Thomas Szekeres am Dienstag in einer Pressekonferenz klarstellte. Ursprünglich angedrohte Streikmaßnahmen sind allerdings vom Tisch.

Die Ärzte seien bereit, gemeinsam mit dem Management über Einsparungen und Strukturmaßnahmen nachzudenken. Deshalb lud der Betriebsratsvorsitzende den Minister, den Rektor der Medizinischen Universität, Wolfgang Schütz, sowie die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) zu einem "Runden Tisch" ein. Dort solle die Politik ein Bekenntnis abliefern, was und wie viel ihr das AKH bzw. die Med-Uni wert sind. "Wir erwarten eine Zusage Ihrerseits bis spätestens 30. Dezember 2011 und eine Realisierung des "Runden Tisches" bis 16. Jänner 2012", heißt es in dem Schreiben, das auch an die anwesenden Journalisten verteilt wurde.

Jörg Michael Hiesmayr, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, betonte, dass man zwar froh über die finanzielle Überbrückung sei, aber sich jetzt nicht zurücklehnen dürfe. Denn durch die Nicht-Nachbesetzung von Stellen werde die Belastung für das Personal noch höher. Außerdem vergeude man junge Talente, die mangels Arbeitsplatz dann woanders hingehen würden, ergänzte Christoph Zielinski, Vorstand die Uniklinik für Innere Medizin. Die Medizinische Universität Wien sei der "führende wissenschaftliche Korpus dieses Landes", 50 Prozent aller Ärzte würden im AKH ausgebildet, hieß es.

Ingwald Strasser, stellvertretender Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal an der Med-Uni, mahnte auch für die Zukunft Skepsis bei den Ärzten ein. Man werde weitere Maßnahmen der Politik genau beobachten und "praxisferne Entscheidungen" umgehend beeinspruchen, kündigte er an.