Wien.

Verwilderte Fläche mit Kindergraffiti wird zum Park.
Verwilderte Fläche mit Kindergraffiti wird zum Park.
Frank Stronach hatte schon viele spektakuläre Pläne: eine Weltkugel in Ebreichsdorf, ein neuer Themenpark im Prater, ein neues Stadion samt Einkaufszentrum in Rothneusiedl. Gemeinsam ist ihnen, dass sie allesamt gescheitert sind - so, wie sein nicht minder großer Plan, ein privat finanziertes medizinisches Forschungszentrum neben dem Wiener AKH zu etablieren. Nach Informationen der "Wiener Zeitung" hat sich das einst mit 100Millionen Euro veranschlagte "Leuchtturmprojekt" endgültig in Luft aufgelöst.

Die Prominenz war groß als das Vorhaben kurz vor Weihnachten 2006 vorgestellt wurde: Bürgermeister Michael Häupl lud den damaligen Magna-Vize-Chef Siegfried Wolf sowie die frühere Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer zur Pressekonferenz, um das Gemeinschaftsprojekt der beiden Großkonzerne vorzustellen. Im Herbst 2009, so hieß es, solle das "International Healthcare Center Vienna" seinen Betrieb aufnehmen - ein Vorhaben von "internationaler Tragweite", prophezeite Wolf. Immerhin war dies für Magna als Sprungbrett ins Medizin-Business gedacht.

In dem Neubau sollte Forschung im Präventionsbereich zu den Schwerpunkten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Neurologie und Krebs stattfinden - die 60 tätigen Forscher sollten mit der benachbarten Medizinuniversität kooperieren. Allerdings gab es bei der Umsetzung von Anfang an Probleme: Zunächst sollte einer der beiden Schwesternwohntürme am AKH-Gelände zugunsten des Projekts abgerissen werden; nach großen Widerständen suchte man eine Alternative und fand ein unbebautes Grundstück an der Lazarettgasse 25 - vis-à-vis vom "Goldenen Kreuz".

Ordinationshaus geplant


Noch vor zwei Jahren bestätigte Magna-Projektleiter Franz Schnabl das Vorhaben, das allerdings auf 30 Millionen Euro abgespeckt war und erst 2012 fertig werden sollte. Vor kurzem wurde das Grundstück jedoch von der benachbarten "Wiener Privatklinik" zurückgekauft: "Nach dem Ausscheiden von Stronach bei Magna haben wir die Fläche wieder übernommen, um ein Ordinationshaus für ambulante Leistungen zu errichten", erklärt Privatklinik-Geschäftsführer Walter Ebm. Der Rest des derzeit verwilderten Grundstücks soll zum Gerda-Matejka-Felden-Park umgestaltet werden. "2014 soll alles fertig sein", hofft Ebm.

Äußerst schweigsam zum gescheiterten Vorhaben äußern sich die Initiatoren Magna und Siemens. Von beiden Konzernen heißt es: "Kein Kommentar."

Die Bezirksvorstehung Alsergrund sieht die Entscheidung positiv und freut sich über eine neue Grünfläche, die von der Privatklinik bezahlt werde. Nachdem die Fläche in der Vergangenheit zum "Guerilla"-Gärntern verwendet wurde, fordert die grüne Bezirksrätin Christa Schmid: "Es muss dort weiterhin einen öffentlichen Gemüsegarten geben."