Wien. Die unselige Geschichte des Hauses Bauernmarkt 21 in der Wiener Innenstadt reicht tief ins vergangene Jahrzehnt zurück: Nachdem der Wiener Immobilientycoon Martin Lenikus das Gründerzeithaus erworben hatte, begann der Niedergang des Objekts - Kritiker sagen: "Spekulationsobjekts": Mieter mussten ausziehen, mysteriöse Vorfälle wie abgedrehtes Wasser oder ein Brand verleideten den Bewohnern den Alltag. Nachdem auch die berühmte Broadway-Bar ausgezogen ist, hält in dem äußerlich verwahrlosten Haus nur noch das Rotlichtlokal "Ninas Bar" die Stellung - und wehrt sich gegen einen behördlich sanktionierten Abriss, wie ihn Lenikus fordert.

Dieses Abbruchersuchen befindet sich nun in der entscheidenden Phase: Bedeutsam ist, dass sich kürzlich der 1.Bezirk in dem Verfahren klar positioniert und sich gegen einen Abriss ausgesprochen hat. "Wir als Bezirk haben eine negative Stellungnahme abgegeben. Auch, weil es massive Mängel in der Beweisführung gibt - so ist etwa das statische Gutachten völlig unschlüssig", berichtet ÖVP-Bezirksrat Werner Winterstein, der auch als Welterbe-Beauftragter der Inneren Stadt firmiert. In einer Gesprächsrunde mit allen Involvierten (Fachleuten, Anrainern, Politikern) hat der Bauherr einer Nachdenkpause bis Mitte Juni zugestimmt. "Dann will er entscheiden, ob er die Abriss- und Neubaupläne weiterverfolgt", so Winterstein. "Wir legen ihm dringend ans Herz, das Haus zu sanieren - das ginge ganz ohne großen Aufwand."

"Bedeutsames Ensemble"


Zwar ist das Gebäude nicht denkmalgeschützt, es befindet sich aber in einer Schutzzone und gehört außerdem zu einem aus insgesamt vier baugleichen Häusern bestehenden Ensemble: Daher habe auch der Unesco-Denkmalrat Icomos vehement für den Erhalt des bedeutsamen Objekts plädiert, berichtet Winterstein; dem habe sich auch die MA19 (Stadtbild) angeschlossen.

Rein rechtlich können diese Expertisen aber einen Abrissbescheid wohl nicht verhindern: "Es ist noch nichts entschieden. Aber noch heutigem Wissensstand läuft es darauf hinaus, dass eine Abbruchbewilligung kommen muss. Weil es rechtlich einen Anspruch darauf gibt", heißt es aus dem Ressort von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ). Ausschlaggebend dafür seien vorgelegte und nachvollziehbare Gutachten, wonach die technische Abbruchreife gegeben sei. So sei die Eisenbetonrippen-Decke schon beim Bau des Gebäudes mangelhaft gewesen; würde dieser Mangel so wie weitere behoben, sei das Gebäude ein anderes, so das Büro Ludwig - was eine Abbrucherlaubnis legitimiere.

Allerdings könnte der Einspruch des Bezirks Wirkung zeigen. Denn gegenüber dem Rathaus habe Lenikus nunmehr Kompromissbereitschaft signalisiert. "Er hat zugesagt, den Hauptfokus darauf zu richten, ob nicht doch das Haus oder zumindest die Fassade erhalten werden kann", verrät das Büro Ludwig.

"Sind keine Lottofee"


Lenikus wollte am Mittwoch keine Stellungnahme zum Fall abgeben, er hat sich immer gegen den Vorwurf der Spekulation gewehrt. Legendär ein Ausspruch dazu von ihm anno 2005: "Wir sind weder die Pensionsversicherungsanstalt für alternde Puffmütter noch die Lottofee für Sozialfälle." Damals machte er sich Ex-Wohnbaustadtrat Werner Faymann zum Feind, der sogar ein Verkaufsverbot städtischer Objekte an den "Spekulanten Lenikus" aussprach.

Auch der Anwalt von "Ninas Bar", Nikolaus Schirnhofer, bezweifelt die Seriosität der vorgelegten Gutachten und unterstellt Lenikus, die Schäden bewusst herbeigeführt zu haben. "Es war von Anfang an eine Filetierung des Hauses geplant. Aber wir kämpfen weiter - bis wir gewonnen haben."