Wien. Am Umsteigeknoten Wien-Handelskai heißt es ab Montag für Bahn-Einpendler aus dem Norden Umwege gehen: Statt wie bisher bequem am selben Bahnsteig in die U6 Richtung Süden umzusteigen, müssen die Passagiere künftig vom rechten Bahnsteig einmal hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf.

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Grund ist die Umstellung der ÖBB von Rechts- auf Linksbetrieb, die am kommenden Montag auf mehreren Zugsstrecken vollzogen wird. Was allerdings auf einigen Stationen zu Unannehmlichkeiten führen wird. Am Handelskai etwa dürfte sich der Vorteil, dass dann etwa die vom Süden kommenden S-Bahn-Passagiere direkt in die nach Süden fahrende U6 umsteigen können, in Grenzen halten.

Auch auf kleineren Stationen der Südbahn, etwa in den Haltestellen Schlöglmühl oder St. Egyden wird es Fahrgast-Hürden geben. Grund: Die Fahrkartenautomaten wurden dort seinerzeit – aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens – im Nahbereich der "Wiener Bahnsteige" aufgestellt, um den Kunden so lange Umwege beim Kartenkauf zu ersparen. Damit ist es vorbei. Mit der Umstellung auf den Rechtsverkehr müssen nun Fahrgäste mit Ziel Wien zwecks Ticketkauf bis zu zweimal den Bahnsteig wechseln. Mögliche Lösung: Auch der Standort der Automaten wird verlegt – nur hält sich hierfür die Begeisterung bei den ÖBB in Grenzen. Dort verweist man darauf, dass die Kunden in der Masse vom Rechtsverkehr – auch auf internationaler Ebene – profitieren werden. So soll etwa am Wiener Hauptbahnhof 2014 "bahnsteiggleiches Umsteigen" für die Weiterfahrt in die gleiche Richtung möglich sein.

In Vorbereitung dessen werden am 6. August folgende Strecken auf Rechtsverkehr umgestellt:

  • die Nordbahn von Wien-Floridsdorf bis Bernhardsthal,
  • die Flughafenschnellbahn (S7) von Wien-Rennweg bis Flughafen Wien-Schwechat,
  • die Pottendorfer Linie von Wampersdorf bis Wr. Neustadt Civitas Nova,
  • die Südbahn von Hauptbahnof Wien bis Payerbach-Reichenau,
  • die Verbindungsbahn von Wien-Hütteldorf/Penzing bis Wien-Meidling,
  • S-Bahn-Stammstrecke von Wien-Meidling bis Floridsdorf,
  • die Nordwestbahn von Floridsdorf bis Stockerau sowie
  • die Laaer Ostbahn von Wien-Süßenbrunn bis Wolkersdorf.

16 Millionen Euro Kosten
Nicht betroffen sind vorerst die Südbahn von Spielfeld bis Payerbach-Reichenau, die Franz-Josefs-Bahn sowie die Strecken Süßenbrunn–Hauptbahnhof. Dort werden die Regional- und Schnellzüge auch weiterhin links geführt.

Damit alle Fahrgäste den richtigen Bahnsteig finden, haben die ÖBB eine Info-Offensive gestartet: Demnach werden rund 2,7 Millionen Euro in die Verbesserung des Kundenkomforts und der Reisendeninformation entlang der betroffenen Linien, vor allem in die Beschilderung und in neue Wartekojen investiert. Weitere 13,2 Millionen Euro flossen bereits in die Errichtung neuer "Überholgleise" in den Bahnhöfen Brunn-Maria Enzersdorf und Baden.

Allein die Bundesbahnen sehen in der Umstellung nur Vorteile: Dabei gehe es in erster Linie darum, das Bahnsystem hinsichtlich der laut Verkehrsprognosen bis 2025 zu erwartenden starken Veränderungen bei den Verkehrs- und Kundenströmen einzustellen, heißt es in einer Aussendung. Ansonsten würde es nämlich zu Trassenkonflikten im Abschnitt Wien-Meidling kommen, mit der Folge, dass die ÖBB allein in diesem Bahnhof 30 Prozent ihrer Kapazitäten verlieren würden.