Wien. Die gemeindeeigene Wien Holding hat in den vergangenen zehn Jahren ihr kommunales Portefeuille deutlich ausgebaut. Von 15 auf 75 Unternehmen wuchs die Gruppe, der Umsatz liegt bei mehr als 400 Millionen Euro. Die Investitionen sollen heuer und kommendes Jahr auf gleichem Niveau bleiben, und zwar auf 130 Millionen Euro. "Ein gemeinwirtschaftliches Unternehmen wie die Wien Holding muss gerade jetzt investieren, um Anreize auch für die private Wirtschaft zu schaffen", sagt Geschäftsführer Peter Hanke zu "Wiener Zeitung".

Im Hafen-Logistikzentrum sind derzeit 120 Betriebe mit etwa 5000 Mitarbeitern angesiedelt. - © LBS/Redl
Im Hafen-Logistikzentrum sind derzeit 120 Betriebe mit etwa 5000 Mitarbeitern angesiedelt. - © LBS/Redl

Neben dem Wohnungsbereich liegt ein Schwerpunkt dabei an der Donau. "Der Wiener Hafen wird deutlich ausgebaut und seine Kapazität um 60 Prozent erhöhen", erklärt Hanke. Geplant sind auch Wassertaxis, und ab der Reichsbrücke sollen sich künftig Hausboote ansiedeln dürfen.

Im Vorjahr wurden im Wiener Hafen 440.000 Container umgeschlagen, in den kommenden zehn Jahren sollen bis zu 70 Millionen Euro in den Hafenausbau investiert werden. Die Erweiterung der Kapazität soll in enger Abstimmung mit den ÖBB vor sich gehen. "Schiene, Straße und Wasser sind bereits dort, es geht also um die Schaffung vernetzter Verkehrskonzepte, die auch ökologischen Standards gerecht werden", sagt Hanke. Der Wendebereich für Schiffe im Hafen Freudenau wird verkleinert, dadurch können zusätzliche 30.000 Quadratmeter Land gewonnen werden. In Albern ist der Hafen mit sogenanntem Schüttgut - Getreide, Baustoffe - gut ausgelastet.

Bisher sind im Hafen-Logistikzentrum 120 Betriebe mit etwa 5000 Mitarbeitern angesiedelt, das soll weiter gesteigert werden. Doch auch für Passagiere plant die Wien Holding Neues am Wasser, angestachelt vom Erfolg des Twin-City-Liners zwischen Wien und Bratislava. "Dort haben wir eine Auslastung von 75 Prozent und ein sehr gutes Jahr", so Hanke. Derzeit wird geprüft, ob - vom Landesteg des Twin-City-Liners - ein Wassertaxi bis zur Höhe Flughafen möglich wäre. Ebenfalls angedacht ist ein kleineres Wassertaxi, das - von Summerstage bis Strandbar Herrmann - die Gastronomie entlang des Donaukanals verbindet.

Etwas weiter in der Zukunft wird überlegt, direkt an der Donau ab Reichsbrücke Hausboote zu ermöglichen. Dazu müsste das Donau-Ufer erschlossen werden. Die Lände-Rechte hiefür liegen zwar bei der Gemeinde Wien, aber trotzdem sind dabei Genehmigungen des Bundes und der staatlichen Via Donau notwendig. "Interesse dafür gibt es jedenfalls", meint Hanke.

Stadtentwicklung im Fokus


Die Wien Holding wird von der Stadt auch in der Stadtentwicklung eingesetzt sowie in der internationalen Vermarktung der Stadt Wien. "Unsere Kulturaktivitäten sind im Ausland auch ein Türöffner für wirtschaftliche Projekte", sagt Hanke. Zuletzt in China. Im Jüdischen Museum wurden 2,6 Millionen Euro investiert. Und ab Oktober wird es im Haus der Musik ein "interaktives Opern-Erlebnis geben", wie es Hanke nennt. Derzeit laufen die baulichen und technischen Vorbereitungen dazu. Auch mit dem Wien-Haus in Brüssel wird die Zusammenarbeit intensiviert, da auch in der EU das Thema "Smart Cities" immer dringender wird.

Aus all diesen Gründen will die Wien Holding, ausgestattet mit der Bonität der Gemeinde Wien, im nächsten Jahr eine für das Unternehmen durchaus beachtliche Anleihe in Höhe von rund 150 Millionen Euro begeben. Dadurch wird die Eigenmittelquote von derzeit 39 Prozent zwar etwas absinken, aber der Bilanzgewinn wie 2011 in Höhe von 232.000 Euro ist dadurch nicht gefährdet. Die Wien Holding selbst beschäftigt 45 Mitarbeiter, in den Beteiligungsgesellschaften sind es insgesamt 2200.

Schwerpunkt Messegelände


Ein weiterer Investitionsschwerpunkt wird das Gebiet um das Praterstadion sein. Die Messe Wien hat sich mit 700.000 jährlichen Besuchern gut etabliert. Nach der OMV-Zentrale ist dort nun die neue Wirtschaftsuniversität in Bau. Hanke: "Das zieht natürlich auch private Investoren an. Genau das soll mit unseren Investitionen erreicht werden."

Zur Person: Peter Hanke

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© Eva Kelety

Der 1964 geborene Wiener ist Geschäftsführer der Wien Holding. Beim Konzern ist der gelernte Betriebswirt seit 1993 tätig, ab 2001 als Prokurist. Von 1996 bis 2002 war er Vorsitzender des Betriebsrats der Wien Holding.