Wien. Als er im Jahr 2006 auf riesigen Plakaten für "mehr Stil und Anstand" in der Politik warb, war selbst der offiziellen Republik zunächst nicht klar, ob es sich dabei um die beginnende Wahlkampagne eines bekannten Quereinsteigers oder – wie sich später herausstellte – einen Werbegag für eine Tageszeitung handelte. Von Markenuhren über Recyclingkampagnen bis TV-Castingshows: Thomas Schäfer-Elmayer ist in fast allen PR-Formaten ebenso wohl zu Hause wie in der Wiener Gesellschaft - so lange es seinem Ruf nicht schadet und dem seiner Tanzschule nützt, die er mit Oktober seit nunmehr einem Vierteljahrhundert führt.

Entgegen verbreiteter Annahmen war der Enkel des Begründers der traditionsreichsten österreichischen Tanzschule, des legendären Oberstleutnants und Adjutanten des späteren Bundespräsidenten Theodor Körner, Willy Elmayer-Vestenbrugg, nicht schon als Tanzlehrer geboren worden. Nur während seines Studiums in Wien jobbte er als Assistent seines Großvaters in der Tanzschule.

Kein Problem mit Tradition
Seine berufliche Karriere führte den heute 66-Jährigen als diplomierten Kaufmann zunächst in die Schweiz, nach Südafrika und Deutschland, bis er 1987 auf dem glatten Parkett in der Wiener Bräunerstraße landete, wo er mit seinem Team bis heute bis zu 500 junge Leute täglich in die Geheimnisse des wienerischen Eins-zwei-drei einweiht - samt begleitender Benimmschule.

"Wir haben mit dem Begriff Tradition überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Wir wollen bestimmte Werte modern und aufgeschlossen vermitteln und uns ganz bewusst durch eine traditionell Wiener Atmosphäre von anderen Tanzschulen unterscheiden, die sich oft eher als Freizeitbetriebe verstehen", erklärt Schäfer-Elmayer im Gespräch mit der APA. In den Jugendkursen sind Anzug und Krawatte bei den Herren, Rock statt Hose bei den Damen ebenso unumgänglich wie die viel belächelten weißen Zwirnhandschuhe, "wobei Letztere gar nicht Ausdruck einer bestimmten Grundhaltung, sondern einfach praktisch sind", so der Tanzschul-Geschäftsführer.

Keine unangenehme Publicity
Weiße Handschuhe (diese allerdings aus Leder), weißes Mascherl, jede Menge schwarzer Frack drumherum und eine moderate Stimme samt dazu gehörigem moderatem Lächeln - das sind auch die Markenzeichen, mit denen Thomas Schäfer-Elmayer seit 1987 die Medienwelt bedient. Vom Opernball über Dancing Stars bis zu Kampagnen für Markenartikel oder gegen Hundekot auf den Straßen und Kaugummipapier in den Öffis: Stets nimmt der österreichische Knigge den Betrachter oder Teilnehmer liebevoll an der Hand und führt ihn – ganz PR-Profi – in eine stilvollere Zukunft; den leicht erhobenen Zeigefinger sieht man nie.