Wien/Gerasdorf. (rös/bs) In Gerasdorf bei Wien hat Österreichs fünftgrößtes Einkaufszentrum eröffnet: Auf rund 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche finden sich 140 Geschäfte.

Einkaufen mit dem Auto bietet das Shopping-Center "G3" am Rande Wiens. - © Andreas Tischler
Einkaufen mit dem Auto bietet das Shopping-Center "G3" am Rande Wiens. - © Andreas Tischler

Was die Wiener Wirtschaftskammer als Bedrohung für die Wiener Einkaufsstraßen sieht, ist für Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll "ein weiteres Signal für die wirtschaftliche Dynamik im Weinviertel", wie er bei der Eröffnung am Donnerstag erklärte.

In Wien rechnet man auf alle Fälle mit einem spürbaren Kaufkraftabfluss, insbesondere in den Bezirken über der Donau. Bis zu 40 Prozent der Kunden würden zumindest in der ersten Phase aus Wien kommen, rechnen Experten vor. Also ähnlich wie bei der SCS im Süden.

Auch ökologisch gesehen sei das neue EKZ bedenklich. "Eine von uns in Auftrag gegebene Studie besagt, dass die Autofahrten zu den meist außerhalb gelegenen Einkaufszentren 39 Mal soviel Co2 verursachen, wie die Fahrten zu den Geschäften in der unmittelbaren Umgebung", erklärt Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank. Sie ärgert sich vor allem darüber, dass die großen Anstrengungen der vergangenen Jahre, die Wiener Einkaufsstraßen erfolgreich als Marke etabliert zu haben, mit solchen Angeboten konterkariert würden.

Aber das stört die Betreiber des EKZ freilich wenig. Zwar habe die Wirtschaftskrise die Entscheidungsverläufe und die konzeptionelle Phase etwas verzögert, doch sei das G3-Fachmarktzentrum bereits zu 77 Prozent gefüllt, erklärt Thomas Jakoubek, Geschäftsführer von Projektentwickler und Eigentümer BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH. Die mittelfristigen Erwartungen für das Center beziffert er mit 200 Millionen Euro Jahresumsatz und einer täglichen Frequenz von 18.000 bis 20.000 Besuchern. Ekazent-Geschäftsführer Kurt Schneider wiederum verweist auf das große Einzugsgebiet nordöstlich der Millionenstadt Wien und von Krems über Brünn bis Bratislava.

"Das war der letzte geeignete Standort für ein überregional wirksames Einkaufszentrum im Großraum Wien", sagt Sabine Schober, Generalsekretärin der ACSC (Austrian Council of Shopping Centers, österreichischer Shopping Center Verband, Anm.). Durch den Branchenmix - 58.000 Quadratmeter sind als Einkaufszentrum, 12.000 Quadratmeter als Fachmarktzentrum konzipiert - stünden die Chancen gut, dass sich das Einkaufszentrum am Markt durchsetzen wird.

Weitere Projekte geplant


Das G3 liegt für den Individualverkehr günstig an der Schnittstelle B7, S1 und A5. Öffentliche Verkehrsmittel sind durch fünf Buslinien ins Weinviertel gegeben. Darüber hinaus gibt es einen stündlichen Gratis-Bus-Shuttle ab dem Bahnhof Wien-Floridsdorf, der jeweils eineinhalb Stunden vor und nach Geschäftsschluss verkehrt und auch von den Beschäftigten benutz werden kann.

Auch wenn das "G3" das letzte neue Einkaufszentrum nahe Wien auf der "grünen Wiese" ist, werden schon weitere Bauprojekte in der Region angekündigt, die "mit hoher Wahrscheinlichkeit" realisiert werden, heißt es seitens des Standortberaters RegioPlan. Die Verkaufsfläche im Großraum Wien soll damit noch einmal um mehr als 100.000 m² steigen.

Noch 2012 soll etwa in Wien die Erweiterung des Auhof-Centers abgeschlossen werden und das Interspar Einkaufszentrum Meidling eröffnen. Im ersten Halbjahr 2013 ist außerdem die Eröffnung des gesamten Shopping Centers Wien Mitte geplant. Eine Teileröffnung erfolgt bereits am 6. November dieses Jahres. Und für 2014 ist jene des Centers am Hauptbahnhof geplant. Diverse andere, wie die SCS Shopping Mall in Vösendorf, das Wiener Donauzentrum oder der Huma Einkaufspark in Wien sollen umgebaut werden.

Österreichweit gesehen liegt das "G3" flächenmäßig hinter der SCS (130.000 m²), dem Donau-Zentrum in Wien (82.000 m²), der Shoppingcity Seiersberg bei Graz (77.000 m²) und der Plus City Pasching bei Linz (69.000 m²) auf dem fünften Platz.