Bis zu acht Jeans hängen in österreichischen Kleiderkästen, ergab eine Umfrage. - © Chris/pixelio.de
Bis zu acht Jeans hängen in österreichischen Kleiderkästen, ergab eine Umfrage. - © Chris/pixelio.de

Wien. Es ist der Anzug, der Männern den größten Sex-Appeal verleiht. Bei Frauen ist es der Minirock - wenn es nach den Männern geht. Frauen fühlen sich selbst im Cocktailkleid eher sexy: "Man könnte sagen: ,Mann‘ sieht gern mehr Haut, als die Frau bereit ist zu zeigen", resümierte Thomas Schwabl von Marketagent, die im Auftrag der Wiener Jeans-Maßschneider "Gebrüder Stitch" die modischen Vorlieben der Österreicher erhoben haben. Was lange schon vermutet wurde, ist jetzt also durch die "Hosenvolksbefragung" schwarz auf weiß in Zahlen gegossen: Jeans und T-Shirt dürfen in keinem Männer-Kleiderschrank fehlen, bei Frauen müssen T-Shirt, Sommerkleid und weiße Bluse vorhanden sein. Hawaiihemden, Catsuits oder Pelzmäntel dürfen hingegen fehlen. "Liebestöter" sind Socken in Sandalen und bei der jüngeren Generation der Männerslip.

Bei der Umfrage wurden durchaus auch die tiefer liegenden Schichten betrachtet. Wenig überraschend gibt ein Großteil der männlichen Befragten an, dass sie keine Unterwäsche bei Frauen bevorzugen würden (44,4 Prozent), die meisten Frauen (42,3 Prozent) törnt allein die Vorstellung eines Mannes ohne Unterhose hingegen eindeutig ab. Tatsächlich ist aber nur einer von hundert Österreichern ständig "unten ohne" unterwegs, immerhin jeder Fünfte manchmal.

Das bequemste Kleidungsstück ist zwar eindeutig die Jogging-Hose (Männer 41,1 Prozent, Frauen 33,4 Prozent). Als sexy gilt sie aber nicht. Viel eher machen Jeans den knackigsten Männer-Po (für Männer 55 Prozent, für Frauen 62 Prozent). Bei den Kleidungsstücken, die den knackigsten Frauen-Po machen, gehen die Meinungen wieder auseinander: Männern gefallen Hot Pants besser, Frauen an sich selbst die Röhrenjeans.

Auch die meistgehassten Mode-"Sünden" wurden abgefragt. "Liebestöter" aus Sicht der Frauen sind Socken in Sandalen (58,8 Prozent), "Borat"-Badeanzüge (49 Prozent) und Stringtangas (45,8 Prozent). Aber auch Männer, die im Bett ihre Socken anbehalten (37,8 Prozent), Goldketterl (29,9 Prozent) und Feinripp-Unterwäsche (27 Prozent) werden nicht gern gesehen. Ein heikles Thema ist der Herrenslip - daran scheiden sich altersbedingt die Geister: Während nur wenige (zwischen rund zwei und 4,5 Prozent) der Frauen in den Altersgruppen von 40 bis 65 Jahren Männer in eng anliegender Unterhose ohne Beinansatz "abtörnend" finden, sind es bei den 20- bis 29-Jährigen 25,5 und bei den 14- bis 19-Jährigen knapp über 26 Prozent.

Weiters wurde in der Hosenvolksbefragung konkret zum Jeans-Einkauf gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass in den österreichischen Kleiderschränken rund acht Jeans zu finden sind, von denen fünf auch regelmäßig getragen werden, wobei wiederum nur vier tatsächlich passen.

Beim Jeans-Kauf nervt Anprobieren am meisten


Getragen werden Jeans von Männern an sechs Tagen in der Woche, Frauen greifen an fünf Tagen in der Woche zur Hose in Denim-Stoff. Dabei geben diese sie bereits nach zwei- bis dreimaligem Tragen zur Wäsche, Männer erst nach vier- bis fünfmaligem Austragen.

Drei Paar Jeans werden jedes Jahr gekauft - was aber den wenigsten wirklich Spaß macht: Knapp 65 Prozent der Befragten gaben an, dass sie das Anprobieren der Hosen nervt, für 48 Prozent sind Umkleiden ein Graus. Und während 77 Prozent der Befragten sagen, nur Jeans zu kaufen, die wirklich passen, kaufen knapp 25 Prozent spätestens nach dem Anprobieren der zehnten Hose einfach irgendeine, auch wenn sie nicht perfekt passt. Die Probleme beim Jeanskauf sind dabei für die meisten Menschen, dass die Jeans in der Regel zu lang sind, es kaum Zwischengrößen gibt und die Größe, die gebraucht wird, nur vereinzelt vorhanden ist, dass sie am Bund oder am Bein zu eng oder zu weit ist, oder auch, dass die Waschungen nicht gefallen. Hat der Österreicher eine Lieblingsjeans gefunden, bleibt er ihr treu, im Schnitt werden Jeans alle drei bis fünf Jahre ausgemustert.

Seit zweieinhalb Jahren werden bei den "Gebrüdern Stitch" Jeans maßgefertigt. Jetzt kommen die ersten Hosen aus ihrer Produktion zur Reparatur zurück. Die Produzenten legen Wert darauf, dass ökologisch zertifizierte Stoffe aus Italien oder der Türkei verwendet werden. Zugeschnitten und nach Kundenwünschen designt und gewaschen werden sie komplett in Wien. Für eine Hose werden achteinhalb Arbeitsstunden benötigt, vom ersten Termin bis zur Auslieferung vergehen sechs Wochen. Kostenpunkt: zwischen 240 und 500 Euro.