Wien. Süßlich riecht es am Anfang. Wenn der Körper zu verwesen beginnt und seine Säfte langsam entweichen. Dann, wenn ein Mensch schon zwei Tage tot ist. Danach wird es sehr schnell modrig. Rosalia Zelenka reibt die Fingerspitzen aneinander als könnte sie den Geruch fassen. Sie ist Expertin, wenn es um Gerüche geht. Egal welcher Natur. Erst kürzlich war sie im Haus eines Bekannten, bei dem offenbar auch Mäuse hausen - und sterben. Was für den Hausherrn nur ein undefinierbarer Gestank war, konnte Spürnase Zelenka binnen Sekunden zuordnen. "Da riecht es nach Leichen", hat sie ihm mitgeteilt.

Leichen sind Zelenkas Spezialgebiet. Seit knapp zwei Jahren leitet sie die Firma Astra Services. Neben Brand- und Wasserschadensanierungen hat sich das Unternehmen vor allem auf einem Gebiet einen Namen gemacht: der Tatortreinigung. Ob Unfall, Verbrechen, Suizid oder natürliches Ableben, sobald es eine Leiche gibt, rücken Zelenka und ihre Männer aus.

Die Zentrale des Unternehmens liegt abgeschieden in der Moritz Dreger-Gasse im 21. Bezirk. Ein chaotisches Büro hat die 51-Jährige hier, das sie sich mit ihren Mitarbeitern teilt. Kumpelhaft geht man hier miteinander um. Ein jeder nennt die schlanke Blondine mit der Lederjacke und den schnörkellosen Wanderstiefeln nur "Rosi." Tough wirkt sie, diese Rosi. Muss sie auch sein, der Job ist nichts für schwache Nerven. Zelenka ist die einzige Frau in ihrem Team. "Frauen dürfen in keiner Weise labil sein, weil sie hier einfach unschöne Dinge sehen. Sie müssen auch eine gewisse Kraft mitbringen", erklärt Zelenka das Anforderungsprofil ihrer Mitarbeiter. Gelegentlich müssen Fußböden und Wände herausgerissen und abgeschlagen werden, weil sich hier die Flüssigkeiten der verwesten Körper angesammelt haben. Zurzeit arbeitet sie mit fünf Männern, vom Installateur bis zum Maler sind alle Berufsgruppen vertreten. Kräftig müssen sie sein und sich mit "Tod und Körpersäften" auskennen. Das hat auch Zelenka am meisten fasziniert, als sie zufällig in den Job gerutscht ist.

Einsatz beim "Messie"


Eine kaufmännische Ausbildung hat sie absolviert, bevor sie erstmals im Baugewerbe Projekte koordiniert hat. Danach gelangte sie über Zufall zur Tatortreinigung. Rasch begeisterte sie die Arbeit mit den Toten, wie lange es dauert, bis ein Körper vollkommen verwest ist, zuerst Stück für Stück, bis nur noch das Skelett übrig bleibt.