Wien. (bs/apa) Der grüne Wiener Gemeinderatsmandatar Alexander Van der Bellen bleibt bis auf Weiteres städtischer Uni-Beauftragter: "Ich bin derzeit mein Nachfolger", sagte er am Dienstag bei der Präsentation seines zweiten Jahresberichts. Eigentlich hatte er im Juni angekündigt, mit dem Wechsel vom Nationalrat ins Rathaus den eigens für ihn geschaffenen Posten abzugeben - wegen Unvereinbarkeit. Allerdings hatte er bereits Anfang September im Interview mit der "Wiener Zeitung" angemerkt, dass er weitermache, solange es keinen Nachfolger gebe. Am Dienstag setzte er hinzu: "Es gibt sogar Synergieeffekte."

Van der Bellen versicherte aber, dass er die Nachfolgersuche nicht ad acta gelegt habe: "Es ist nicht ganz einfach, Personen mit hinreichend Zeit und Leidenschaft zu finden." Zudem erfolge die Arbeit ehrenamtlich - es gibt also kein Gehalt, was problematisch für die Nachfolgersuche zu sein scheint.

Der grüne Politiker versicherte, dass er "die Sache" gerne mache, aber auch: "Ich würde es gerne jederzeit in andere Hände geben, aus bestimmten Gründen." Zeitdruck, einen Nachfolger zu finden, habe er jedoch keinen. Es gebe ein, zwei Personen, die er sich "sehr gut" als Uni-Beauftragte vorstellen könne, Namen wollte er aber keine nennen. Dafür äußerte Van der Bellen den Wunsch an die Stadt, dass der Posten des Beauftragten für Universitäten und Forschung - wie seine Funktion offiziell heißt - unabhängig von seiner Person erhalten bleiben soll.

Wien soll Boston werden

Als Uni-Beauftragter präsentierte Van der Bellen seinen zweiten Jahresbericht. Mit dem 40-seitigen Dossier mit dem Titel "Auf dem Weg zur Zwei-Millionen-Stadt: Wie gestalten wir die Wissensmetropole Wien?" wolle er für die Vision werben, die Bundeshauptstadt in den kommenden Jahrzehnten zum "intellektuellen Zentrum Zentraleuropas" zu machen. Er denke dabei an das US-amerikanische Boston als Vorbild mit so renommierten Universitäten wie Harvard oder dem Massachussetts Institute of Technology (MIT). Um dem Ziel näher zu kommen, brauche es neben mehr Geld auch eine Änderung des Fremdenrechts auf Bundesebene. Nur so werde es möglich, dass Forschende zukünftig verstärkt nach Wien gezogen werden und Studierende aus Drittländern auch hier gehalten werden können. Zudem müssten universitäre Einrichtungen in der Stadt sichtbarer gemacht werden. Als positives Beispiel hob er die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Universitätsring hervor.

ÖVP: Ergebnis "dürftig"

Die Institutionen sollen auch für die Öffentlichkeit zugänglicher gemacht werden, so seine Forderung. Der neue Standort der Wirtschaftsuniversität beim Prater sei dafür ein Beispiel. 2013 solle es eine Studie über die Wertschöpfung von Unis, Fachhochschulen und Forschungsinstituten geben.

Kritik an Van der Bellens Arbeit gab es von der Wiener ÖVP. Das diesjährige Ergebnis des Wissenschaftsbeauftragten, der ein Jahresbudget von 210.000 Euro zur Verfügung hat, ist "mehr als dürftig", hielt Bildungssprecherin Isabella Leeb fest. Überhaupt könne Van der Bellen als Mitglied des Gemeinderats diese Aufgabe ohne eigenes Budget bewältigen, so Leeb. Die Million Euro, die der Uni-Beauftragte bis zum Ende der Legislaturperiode koste, sollte besser direkt in die Wissenschaft investiert werden.