Wien. Als große Hürde einer möglichen Bewerbung Wiens für Olympische Sommerspiele gilt die aktuell unbefriedigende Situation der Sportstätten in der Hauptstadt. Selbst etablierte Veranstaltungsorte wie Happel- oder Dusika-Stadion bzw. die Wiener Stadthalle müssten umgebaut oder adaptiert, weitere Hallen und Stadien überhaupt erst errichtet werden. Sowohl Sportminister Norbert Darabos als auch das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) erhoffen sich von einer möglichen Bewerbung aber gerade in dieser Hinsicht Impulse.

"London 2012 war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie viel Sommerspiele bewegen können", meint ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel. "Die erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen haben einen langfristigen Effekt auf die Entwicklung des Breiten- und insbesondere des Spitzensports aufgrund verbesserter Trainingsmöglichkeiten. Nicht umsonst üben in England jetzt 750.000 Personen mehr Sport aus als noch vor einem Jahr."

Bisher sehr zurückhaltend

In der Frage neuer Sportstätten übte man in Wien bisher eher Zurückhaltung. Das in seiner Substanz bereits greise Happel-Stadion erhielt für die EM 2008 lediglich eine Frischzellenkur, auch die Stadthalle ist in ihrer derzeitigen Form für Olympische Spiele wohl nicht geeignet. Gleiches gilt für das Ferry-Dusika-Stadion mit seiner Radbahn.

In den vergangenen Jahren immer wieder verworfen wurde die Idee einer Errichtung einer Multifunktionshalle mit einer Zuschauerkapazität von 15.000 Zuschauern aufwärts. Zwar ist das 2011 eröffnete Multiversum in Schwechat für verschiedene Sportarten geeignet, weist aber angesichts von 10.000 teilnehmenden Athleten bei einer Olympiade eine vergleichsweise bescheidene Kapazität (rund 2800 Plätze) auf.

Sicherheit am teuersten

Olympische Sommerspiele 2028 in Wien würden vor allem in Sachen Finanzierung und Sicherheitskonzept eine besondere Herausforderung darstellen. So kostete etwa Olympia 2004 in Athen 8,954 Milliarden Euro, die Organisatoren von London 2012 bezifferten ihr Budget mit 9,3 Milliarden Pfund (11,48 Milliarden Euro). Griechenland ist von den Olympia-Gastgebern der vergangenen drei Jahrzehnte am ehesten mit Österreich vergleichbar, allerdings leben in Athen mit rund vier Millionen Einwohnern mehr als doppelt so viele Menschen wie in Wien.

Ein besonders teurer Posten der jüngsten Olympia-Budgets waren die Sicherheitskosten, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 explodiert sind. So versuchten sich die Olympia-Organisatoren in Athen auf "das Unvorstellbare" einzustellen und gaben bereits 615 Millionen Euro zum Schutz der Sommerspiele aus. Schließlich galt es mehr als 10.600 Athleten, die in 28 Sportarten mehr als 300 Olympiasieger kürten, vor terroristischen Angriffen zu bewahren.

"Vor dem 11. September 2001 wurden unsere Pläne durch unsere Vorstellungskraft geleitet. Seither haben wir begonnen, uns auf das Undenkbare vorzubereiten", erklärte der damalige Sicherheitsberater Peter Ryan, der diese Aufgabe bereits 2000 in Sydney innegehabt hatte, wobei er in Australien noch mit knapp einem Drittel des Sicherheitsbudgets der Griechen ausgekommen war.

Und für London wurde erstmals die Milliarden-Grenze überschritten, waren doch insgesamt 40.000 Polizisten, Soldaten und andere Sicherheitskräfte in Großbritannien abkommandiert. Mit dem immensen Aufgebot wurde Olympia 2012 zum bisher größten Einsatz von Sicherheitskräften in Großbritannien in Friedenszeiten. Dieser enorme Aufwand hatte natürlich seinen Preis, so wurde das Londoner Sicherheitsbudget offiziell mit 1,2 Milliarden Pfund (1,48 Milliarden Euro) beziffert.