Persönliche Ansprache


"Mehr als zwei Drittel der Gastronomen leben vor allem von Stammgästen", weiß Willy Turecek, Obmann der zuständigen Fachgruppe in der Wirtschaftskammer Wien. Im Gegensatz zu Ländern wie den USA, wo man eher auf private Veranstaltungen setze, treffe man sich in Wien hauptsächlich im Wirtshaus, in der Bar, im Café ums Eck. Auch Turecek weiß, dass der "typische Stammgast" besonderen Wert auf die persönliche Ansprache legt: "Vom Inhaber bis zur Servicekraft, die weiß, wie ich meinen Cappuccino immer trinke."

Man komme dann regelmäßig, wenn man sich wohlfühlt, das bekommt, was man möchte. Und Gleichgesinnte trifft: "Schauen Sie sich etwa entlang der Ottakringer Straße oder rund um die Märkte um", sagt Turecek. Dort, wo sich etwa die Communitys sogenannter Drittländer treffen. Oder Männer und Frauen, die täglich den Würstelstand am Franz Jonas Platz aufsuchen. Sie alle wollen neben der Verpflegung vor allem eines: Ansprache finden. Auch ein Stammgast des legendären Café Gutruf in der Milchgasse bezeichnet dieses als sein "zweites Wohnzimmer", weil er hier inspirierende Gespräche führen kann, Ruhe findet, wenn er sie braucht, sich unter "Seinesgleichen" fühlt, wie er erzählt.

Die anderen Gäste sind übrigens fast immer ein wesentlicher Faktor für die Wahl des jeweiligen Stammlokals. Knapp ein Drittel der Befragten würde auf den Besuch desselbigen verzichten, blieben seine Bekannten bzw. Freunde fern. Schlechteres Service und ein Inhaber-Wechsel wären weitere Gründe, zu Hause zu bleiben.

Ort, um Probleme zu teilen


Sollten Sie also demnächst Ihren Wohnort wechseln, dann schließen Sie die Lokale in Ihrer möglicherweise künftigen Umgebung gut in Ihre Recherche ein. Spätestens, wenn es hart auf hart kommt, wünschen Sie sich doch auch einen Ort, an dem Sie Ihren Liebeskummer oder den Frust im Job teilen können. Und sollten Sie in den neuen vier Wänden von einem Wasserschaden heimgesucht werden, dann findet sich in Ihrem Stammlokal bestimmt jemand, der auch spätabends weiß, wie man diesen repariert. Oder jemanden kennt, der weiß, was zu tun ist . . . Glauben Sie "geübten" Stammgästen: Spätestens dann wird man Sie dort auch beim Namen kennen und der Kellner wird ab sofort wissen, ob Sie passend zur Extremsituation lieber ein kaltes Bier, einen süffigen Rotwein oder einen Cappuccino mit viel Zucker wünschen.