Wien. Bürgermeister Michael Häupl bewirbt die Olympischen Sommerspiele und ein Boulevardblatt spekuliert damit, dass Sprint-Star Usain Bolt bald in Österreich läuft. Eines haben die beiden wohl vergessen: Es geht um Olympia 2028. Da ist Häupl kein Bürgermeister und Bolt kein Profiläufer mehr. Allerdings findet von 7. bis 9. März die Volksbefragung statt, bei der die Wiener über dieses Großevent abstimmen sollen. Und deswegen hat Häupl schon am Montag gemeinsam mit ÖOC-Präsident Karl Stoss kräftig die Werbetrommel gerührt.

Und Häupl zeigt sich schon jetzt siegessicher: "Wenn wir uns bewerben, dann werden wir gewinnen, das ist klar." Voraussetzung dafür ist aber noch immer das "Ja" der Bevölkerung. Der Mehrwert für Wien, der durch die Errichtung von diversen Sportstätten entstehen soll, ist für Häupl nicht das einzige Pro-Argument. "Die Olympischen Spiele sind ein großartiges Asset für die künftige Imagebildung der Stadt", ist er überzeugt. Wien sei zwar Welthauptstadt der Musik, "aber wir dürfen nicht verharren auf diesen existierenden Lorbeeren, sondern müssen in die Zukunft schauen", erklärte der Stadtchef. Und außerdem würde man mit Olympia die Wiener zum Sporteln animieren.

In dasselbe Horn stieß Stoss: "Die Spiele in London haben 750.000 Briten zum Sporteln animiert." Außerdem bringe Olympia enorme Impulse für jede Region. Stoss gab aber auch unumwunden zu: "Um mitmachen zu können, gibt es viel zu leisten." London habe etwa 13,37 Milliarden Euro investiert. Deshalb stellt Häupl auch "höchste Kreativität bei der Finanzierungskonzeption" in Aussicht. Denn Olympia könne nicht nur mit öffentlichen Geldern umgesetzt werden. Im Großen und Ganzen sei es auf alle Fälle sinnvoller, "das Geld in Olympia zu investieren als in eine marode Kärntner Bank", scherzte Häupl. Bewirbt sich Wien, muss die Stadt 2019 einen umfangreichen Fragenkatalog des Internationalen Olympischen Komitees beantworten. Im Herbst 2020 wird eine engere Auswahl getroffen, 2021 fällt die Entscheidung. Stoss zufolge würde Wien deutlich höhere Chancen für den Zuschlag haben, sollten die Spiele 2020 und 2024 nicht in Europa stattfinden. Für 2020 stehen Istanbul, Madrid und Tokio zur Wahl.

Im Übrigen kann sich Häupl auch die Einbindung von Nachbarregionen vorstellen. Immerhin liegt Bratislava Wien näher als Graz. Und angesichts der ständig steigenden Kosten könnte die finanzielle Last aufgeteilt werden. Auch der Bürgermeister von Bratislava, Milan Ftacnik, kann sich eine solche Beteiligung vorstellen. "Wir sind offen für alles", erklärte er am Montag am Rande seines Wien-Besuchs.

IOC gegen Beteiligung

Im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hält man weniger von der Idee. "Sollte man den Tag erleben, an dem keine Kandidaten mehr bereit sind, die Spiele zu veranstalten, dann muss das IOC die Regeln ändern. Aber solange genug Städte interessiert sind, wird man bei einem Land bleiben", sagte der hochrangige IOC-Funktionär Denis Oswald im Rahmen eines Gesprächs mit der "Wiener Zeitung".

Die Fifa habe auch nur einmal die WM an zwei Länder vergeben (Japan und Südkorea 2002) und dann nie wieder. "Zwei Sprachen, zwei Regierungen, das wird alles so kompliziert. Deshalb gibt es keine geteilten Spiele, wenn es nur eine Ausnahme für eine Sportart ist, kann man das einfacher lösen", meint Oswald.