Zunehmender Öko-Trend


Während am Naschmarkt jedes Wochenende "Flöhe" ge- und verkauft werden, arbeitet man in der Neubaugasse mit Feuereifer auf den 3. und 4. Mai hin. Jedes Frühjahr und jeden Herbst findet dort der große Flohmarkt mit rund 300 Standlern statt. In den letzten zwei Jahren wurden Besucherrekorde verbucht, freut sich Organisator Josef Koppensteiner: "Die Leute wollen rausgehen, was erleben, Schnäppchen finden, die Gastronomie ist natürlich wichtig - wir sind inzwischen zur Marke geworden."

Aber auch in den Köpfen der Menschen findet ein Umdenken statt, meint Koppensteiner. Wiederverwenden statt wegwerfen ist die Devise: "Es gibt definitiv einen Öko-Trend, der ganz billige Ramsch zieht nicht mehr." Das merken auch die Kaufleute und Händler, die hier demnächst wieder Altes und Neues verkaufen werden.

Auf Flohmärkten wie dem am Naschmarkt oder in der Neubaugasse trifft man Nunu Kaller eher selten. Zwar sei sie eine leidenschaftliche Flohmarktbesucherin, aber gerade für den Kleiderkauf besuche sie lieber private Tausch- bzw. Verkaufspartys, erzählt die Verfasserin des Blogs ichkaufnix.wordpress.com, die sich ein Jahr lang selbst eine "Kaufabstinenz" verschrieben hatte. "Ich habe irgendwann gemerkt, dass Shopping für mich Ablenkung, Trost, Belohnung geworden ist", sagt sie über ihre Beweggründe, eine "Mode-Fastenzeit" einzulegen.

Erst nach und nach hat sich bei ihr auch der Gedanke der Wiederverwertung eingenistet. Und den bemerkt sie auch bei anderen. Neben den echten Flohmärkten boomen nämlich auch Plattformen wie willhaben.at und "Share & Care"-Gruppen im Internet. Erst kürzlich hat Kaller an einer kleinen "Vintage-Party" unter Freundinnen teilgenommen - und die Atmosphäre genossen: Besonders, dass in der kleinen Runde jede erzählt habe, wo sie dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft oder wo sie es getragen hat. Kaller selbst ist froh, dass die Mutter ihres Freundes selbst am Flohmarkt verkauft. "Ich habe inzwischen im Vorzimmer eine Kiste stehen, wo alles reinkommt", erzählt sie. Für sie sei es inzwischen ein befreiendes Gefühl, Dinge wegzugeben. Und die Gewissheit zu haben, dass es Menschen gibt, die sich auch noch über ihre "Flöhe" und vielleicht sogar über die Geschichten dahinter freuen.