Mehr Forscher braucht die Stadt, sagt der Bürgermeister. - © Archiv
Mehr Forscher braucht die Stadt, sagt der Bürgermeister. - © Archiv

Rust. "Strategien für eine wachsende Stadt" ist das Hauptthema der zweitägigen Klubtagung der Wiener SPÖ, die gerade im burgenländischen Rust stattfindet. "Es gibt jedes Jahr um 25.000 Wiener mehr. Das ist auch gut für ganz Österreich, schließlich fahren diese Wiener auch in die Bundesländer und geben Geld aus", erklärte Bürgermeister Michael Häupl am Donnerstag. Aber diese 25.000 Wiener mehr pro Jahr bedeuten laut Häupl auch zusätzliche Kosten für die Stadt - schließlich müsse die Infrastruktur entsprechend ausgebaut werden, und das betreffe vor allem die Bereiche Verkehr, Wohnen, Sicherheit und Gesundheit.

Den finanziellen Unterbau für diese zukünftigen Herausforderungen sieht Häupl in "wissensbasierter Ökonomie" und der Fortsetzung eines konsequenten Weges in der Bildungspolitik, wie er am Rande der Klausur erklärte. "Was wir brauchen, ist nicht eine Ökonomie der rauchenden Schornsteine, sondern eine Ökonomie der rauchenden Köpfe", betonte der Stadtchef. Und dafür müsse der freie Zugang zum tertiären Bildungssektor gewährleistet sein, etwa durch ein sozial gerecht gestaltetes Stipendiensystem. "Ich will auch, dass Wien im Jahr 2020 berühmt für seine Start-ups ist", betonte Häupl. Dazu müsse die Innovationskraft der Stadt wesentlich verstärkt werden, "weil da sind wir noch zu weit hinten sind".

Das wiederum könne nur mit einer Forschungsförderung erreicht werden. Und die Start-ups sollen verstärkt gefördert werden - und zwar nicht nur von Stadt oder Staat, sondern durch Bereitstellung von Risikokapital. "Da müssen wir in ganz Europa, aber auch in Wien besser werden", meinte Häupl. Schließlich sei der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds der einzige privat finanzierte Fonds in Österreich. Im angloamerikanischen Raum etwa sei alles privat finanziert, "600 Millionen Pfund stehen in Großbritannien für die Forschung zur Verfügung." Für Wien würde er sich Mischformen der Finanzierung wünschen, "weil sonst alles mehr in Richtung Mäzenatentum geht".

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder verdeutlichte das Potenzial von Innovationsförderung: "In Wien gibt es pro Jahr 7000 Firmenneugründungen mit zwei bis drei Mitarbeitern. Das bedeutet immerhin mehr als 100.000 Arbeitsplätze bis 2020." Wie viel Geld müsste aber zusammenkommen, damit das Ganze sichtbar wird? "Pro Jahr muss man ungefähr mit 2,5 Milliarden Euro zusätzlich rechnen - das betrifft betriebliche und universitäre Forschung", erklärte Häupl. In Prozent ausgedrückt, würde das gemessen am Bruttonationalprodukt einer Quote von 4 Prozent entsprechen. Wien liege zurzeit bei 3,5 Prozent und habe damit das Barcelona-Ziel von 3 Prozent bereits erreicht, im Gegensatz zum Bund, der bei 2,8 liege. "4 Prozent wären aber notwendig, um im internationalen Forschungssektor mitzuspielen", gibt Häupl zu bedenken.

Das ist aber laut Bürgermeister nicht aus öffentlichen Geldern finanzierbar. "Da bin ich froh, wenn wir eine Milliarde pro Jahr zusammenbringen", so Häupl. Der Rest müsste dann von privater Hand abgedeckt werden.