Die Biologin Renee Schröder wird mit Gästen im Café Korb über den "Ursprung des Lebens" philosophieren. - © Stefan Joham
Die Biologin Renee Schröder wird mit Gästen im Café Korb über den "Ursprung des Lebens" philosophieren. - © Stefan Joham

Wien. Die "Neue Zürcher Zeitung" bezeichnet ihn als "letzten Wiener Kaffeehausphilosophen". Er, das ist der Schriftsteller und Essayist Franz Schuh und einer von 13 Protagonisten der "Nacht der Philosophie", die am 9. April 2013 erstmals Einzug in Wiens Kaffeehäuser hält.

Finden sich hier sonst vorrangig auf der Speisekarte zahlreiche Kaffeehausklassiker wie Einspänner, Kleiner Schwarzer, Melange und Mehlspeisen, so wird an diesem Abend die geistige Nahrung in den Vordergrund gerückt. In 13 Wiener Cafés werden Buchautoren und Philosophen, die zu verschiedenen Themen mit Kaffeehausgästen ins Gespräch kommen wollen, zu Gast sein.

Die Themenliste reicht von Grundsätzlichem - "Was ist der Mensch?" (mit Josef Rhemann im Café Central, Herrengasse) oder "Der Ursprung des Lebens" (mit Reneé Schröder im Kulturcafé Korb, Brandstätte) - bis zu aktuellen Fragestellungen wie "Selbstverantwortung aus weiblicher Sicht" (mit Susanne Moser, Caffè Mokador, Dorotheergasse) und "Gibt es Gerechtigkeit im Kapitalismus?" (mit Alfred Pfabigan, Café Weimar, Währinger Straße).

Bei der "Nacht der Philosophie" kommt zusammen, was in der traditionellen Wiener Kaffeehauskultur seit jeher zusammengehört: Die Kaffeehäuser waren schließlich immer schon die halböffentlichen Wohnzimmer der Dichter und Denker. Kaum ein Wiener Philosoph oder Professor der Jahrhundertwende um 1900, der nicht sein Stammcafé, seinen Salon hatte. So soll Mathematikgenie Kurt Gödel seinen berühmten Unvollständigkeitssatz zum ersten Mal einem Freund in einem Kaffeehaus erläutert haben.

Antworten gesucht -
aber nicht im Kaffeesud


Ihre Schreibtische an den Universitäten und Redaktionen des Landes tauschen bei der "Nacht der Philosophie im Kaffeehaus" weitere hochkarätige Autoren und Wissenschaftler gegen das Kaffeehaus-Ambiente: Autor, FM4-Moderator und "Willkommen Österreich"-Apotheker Thomas Edlinger widmet sich im Café Sperl dem daueraktuellen Thema "Political Correctness". Alltagsforscher Roland Girtler berichtet über eine Begegnung des Soziologen Max Weber im Café Landtmann - natürlich ebendort.

Und Schriftsteller und Essayist Franz Schuh sinniert im Café Schwarzenberg über das, was wir uns alle wünschen: Glück. Antworten auf Fragen wie "Die Kunst und das Schöne" (mit Otto Brusatti im Café Maria Treu, Piaristengasse) oder "Die Macht in der Philosophie" (mit Stephan A. Marx, Café Jonas, Franz-Jonas-Platz) und viele weitere Themen werden bei der "Nacht der Philosophie" nicht im Kaffeesud gesucht, sondern bei einer belebenden Tasse Melange lebhaft diskutiert. "In einer schnelllebigen und erfolgsorientierten Welt gewinnen existenzielle Fragen des Menschseins wieder verstärkt an Bedeutung - da brechen brisante und aktuelle Fragestellungen auf", freut sich Initiator Helmut Schneider auf Genuss für Geist und Gaumen.

Weitere Programmpunkte: "Interkulturelle Philosophie" mit Franz Wimmer im Café Hummel, Josefstädter Straße; "Die Leichtigkeit des Seins - Analyse eines universalen Versprechens" mit Wolfgang Pauser (Café Hegelhof, Johannesgasse); "Der Tod als philosophisches Problem" (mit Katharina Lacina, Café Phil, Gumpendorfer Straße) und schließlich "Philosophie - Wozu? Aus der Welt der Okzidentalen und der Nicht-Okzidentalen Philosophie" mit Hisaki Hashi im Café Raimund, Museumstraße.