Haben die Hödls in diesen Momenten Mitleid mit den Tieren? "Mitleid habe ich nur, wenn sie leiden, aber sie leiden ja nicht. Wenn Sie und ich sterben, werden wir leiden, nicht die", sagt Hödl senior unbeeindruckt. Sein erstes Schwein hat er im Alter von elf Jahren getötet. Stolz war er damals, sagt er und lächelt.

Nachdem sie die Schweine getötet haben, ziehen sie die leblosen Körper an einem Haken über den Fußboden und bringen zu einer Art "Epilierapparat." Hier wird die borstige Haut des Schweins enthaart und gesäubert. Danach werden die blanken Schweinleiber an die Decke gehängt, wo man sie aufschlitzt und ihre Innereien entfernt.

Mit einer Axt und ein paar präzisen Schlägen hackt dann Leopold Hödl die Schweinekörper in zwei Teile. Er zieht die Axt einer Säge vor, "wegen dem schönen Schnitt", wie er sagt.

Ein ganzes Leben inmitten von Tierkadavern

Es hat beinahe etwas Meditatives, wenn Vater und Sohn den Ablauf zwanzigmal wiederholen, ohne zu sprechen. Das Töten, das Aufschlitzen, das Aufteilen der Organe und Innereien in diverse Bottiche, um sie später zu verarbeiten. Hat es sie je gestört, ihr Leben inmitten von Tierkadavern zu verbringen? Hödl junior zuckt mit den Schultern.

"Ich sehe das nicht so", sagt er und grinst. Er ist aufgewachsen damit, war mit seinem Vater auf dem Bauernhof, hat als Kind bereits mit ihm die Tiere ausgesucht, sie gestreichelt, mit ihnen gespielt und später eben ihre leblosen Körper in der Schlachthalle von der Decke baumeln sehen. Berührt hat ihn das nie sonderlich. Das Schwerste am Job sei für ihn das zeitige Aufstehen und die langen Arbeitszeiten. Von ein Uhr Früh bis sechs Uhr am Abend ist er auf den Beinen. So lange, bis das Geschäft zusperrt, sind die zwei Männer im Einsatz. Sechs Tage die Woche.

Hödl senior weiß, was das Geschäft einem abverlangt. Eine Woche im Jahr macht er Urlaub. "Es braucht den Willen, das zu tun, aber es will ja niemand mehr richtig arbeiten", sagt er, "wenn man die jungen Lehrlinge fragt, warum sie das machen, sagen sie nur, der Vater will es so."

Wenn es überhaupt noch Lehrlinge für den Job gibt. Hödl senior saß noch mit 40 Männern in der Klasse, bei seinem Sohn waren es nur noch zehn. Heute werden in ganz Wien nur 15 Fleischer-Lehrlinge ausgebildet. Viel hat sich in der Ausbildung verändert. Das Schlachten gehört mitunter gar nicht mehr dazu, viele werden nur noch zum Fleischverkäufer ausgebildet.

Sie sind nicht mehr die kräftigen Männer, die große Tierkadaver auseinandernehmen müssen, sondern Supermarktverkäufer, die in der Feinkostabteilung die Ware optisch ansprechbar aufbereiten müssen. Das Schlachten wird heute zum Großteil nur noch von Hilfsarbeitern verrichtet. Jeder lernt einen konkreten Schnitt, bis das Stück Fleisch am Fließband an ihnen vorbeizieht zum nächsten Kollegen. Das Tier als Ganzes auseinanderzunehmen lernt kaum einer.

"Das sind keine qualifizierten Leute, die haben nichts gelernt", sagt Hödl senior und schüttelt den Kopf. Manchmal schaut er sich an, was die Konkurrenz zu bieten hat, dreht seine Runden in den Supermärkten und blickt auf das wässrige Fleisch mit den roten Pünktchen hinter den Vitrinen und weiß genau: Dieses Fleisch ist voller Stresshormone. Spätestens zu Hause wird es der Kunde merken, wenn "das Kotelett um ein Drittel schrumpft".

Traurig schüttelt Leopold Hödl den Kopf. "Die Supermärkte waren der Untergang des Gewerbes", sagt er düster. Die großen Handelsketten mit ihrem Billigfleisch. 1970 gab es noch 1300 Fleischerbetriebe in Wien, heute sind es nur noch 140.

Leopold Hödl macht sich keine Illusion über die Zukunft, dafür ist er zu sehr Realist. Er weiß, dass er der Letzte seiner Art ist: "Es wird sicher aussterben. Aber ich hoffe, dass mein Sohn das Geschäft weiterführt."