Container mit bis zu 45 Tonnen bewegt die neue Kranbrücke wie Legosteine. - © WienCont/Eva Kelety
Container mit bis zu 45 Tonnen bewegt die neue Kranbrücke wie Legosteine. - © WienCont/Eva Kelety

Wien. Der Kranführer sitzt in einer vollverglasten, beweglichen Kanzel fast zwölf Meter über dem Boden und spielt mit dem Joystick: Überraschend leise surrt die 315 Tonnen schwere, fast 25 Meter hohe und mehr als 30 Meter breite Kranbrücke auf ihren Schienen hin und her, mit fast 55 Meter Spannweite ragt der Hauptträger über die Lkw-Laderampe und die Eisenbahngleise hinaus. Auf der Freudenauer Hafenstraße bremst ein ungarischer Sattelschlepper kurz ab, als sich der blaue Riesen-Legostein neben den Schienen mit leisem Klicken millimetergenau auf seinen Abstellplatz senkt. Keine zwei Minuten hat es gedauert, einen Container vom Lkw zu heben und auf einem Eisenbahn-Tiefladewaggon abzusetzen, einen zweiten dann vom Zug auf den Zwischenlagerplatz neben der Straße zu setzen. Bis zu 45 Tonnen schwere Container kann die neue Kranbrücke umsetzen - wie Legosteine eben.

Der nächste große Schritt beim Ausbau des Wiener Hafens ist getan: Mit der Inbetriebnahme der dritten Kranbrücke kann die Holding-Tochter WienCont, Betreiberin des trimodalen - also Eisenbahn, Straße und Wasserstraße verbindenden - Containerterminals im Freudenauer Hafen auf 600.000 Einheiten pro Jahr steigern.

Der Hafen Wien ist der einzige in Österreich mit nunmehr drei der großen Kranbrücken - und europaweit schon der drittgrößte trimediale Containerterminal.

"Der Hafen Wien wächst konsequent", bilanziert Wien-Holding-Chef Peter Hanke. Vor allem das Containergeschäft ist - trotz weltweiter Wirtschaftskrise und damit einhergehender Verlangsamung der Handelsströme - auch in den letzten Jahren stark gewachsen: "In den letzten sieben Jahren hat sich die Menge der umgeschlagenen Containereinheiten mehr als verdoppelt. Im Jahr 2011 und 2012 wurden mit rund 430.000 bzw. 460.000 Containereinheiten so viele Containereinheiten wie noch nie zuvor umgeschlagen."

"Wien ist ein starker und erfolgreicher Wirtschaftsstandort nicht zuletzt deshalb, weil wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das hohe Investitionsniveau beibehalten", erklärt Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Renate Brauner, bevor sie am Montag symbolisch auf den "Roten Knopf" drückt. "Ein gutes Beispiel ist der Hafen Wien. Allein in den letzten sechs Jahren haben wir hier gemeinsam mit Partnern rund 170 Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung investiert - in neue Umschlageinrichtungen, eine neue Verkehrsinfrastruktur, den Hochwasserschutz und den Containerterminal." Auch heuer und 2014 werden wieder je rund 10 Millionen Euro investiert.

Neben der Steigerung der Gesamtkapazität verringert die dritte Kranbrücke - errichtet vom Anlagen- und Maschinenbau-Unternehmen Künz zwischen Dezember 2012 und März 2013 - auch das Ausfallrisiko und beschleunigt die Abläufe. Schon bisher galt der Containerterminal der WienCont als einer der modernsten in Europa, unter anderem verfügt er als einziger in Europa über das System der "Schwungeinfahrt", die eine verschublose Zugabfertigung ermöglicht, betont WienCont-Geschäftsführerin Karin Zipperer.

Für die nächsten Ausbauschritte im Wiener Hafen werden die Pläne bereits ausgearbeitet: Konkret geht es um den Ausbau des Terminals 2, der direkt am Wasser des Freudenauer Hafenbeckens liegt.

Der erste Schritt dazu wurde bereits gesetzt: Durch die Verkleinerung des Hafenbeckens wurden dabei dem Wasser rund 30.000 Quadratmeter Fläche Land abgerungen. Auch die Genehmigungen für die zweite Phase der Landgewinnung mit weiteren 35.000 Quadratmeter Fläche liegen bereits vor. Dorthin könnte der jetzige Terminal 3 verlagert werden. In diesem Szenario würde die Gesamtkapazität im Containergeschäft im Hafen Freudenau auf 1,5 Millionen Containereinheiten erhöht.