Junge Frauen mit Alienschwänzen (Bild links) repräsentieren bisher die Gasometer City. - © Meyer
Junge Frauen mit Alienschwänzen (Bild links) repräsentieren bisher die Gasometer City. - © Meyer

Wien. Knallige Farben. Hübsche Mädchen. Blauer Himmel. Ein gigantisches Ölgemälde auf der Fassade des roten Firmengeländes Haberkorn empfängt den Besucher nahe der U-Bahn-Station Gasometer. Es ist eine Hommage an das junge Viertel in Simmering. Auf den ersten Blick wirkt das Gemälde bunt, frech und fröhlich. Doch wer genauer hinsieht, wird schnell irritiert sein. Er bemerkt mutierte Gestalten, giftige Rauchschwaden am Himmel, brennende Autos und mitten drinnen die vier Gasometerspeicher mit der Aufschrift "De-Generation".

Symbolisiert eine dystopische Untergangsgesellschaft das einstige Prestigeprojekt Gasometer?

Bei der Eröffnung vor 12 Jahren nannte es Bürgermeister Michael Häupl noch einen "Diamanten der Stadtentwicklung". In den vier Gasspeichertürmen entstanden ein Einkaufszentrum mit Cineplex-Kino, hunderten Wohnungen und Büros, entworfen von internationalen Stararchitekten. Es klang vielversprechend für das vormals brachliegende Industriegebiet, in das sich nur selten jemand verirrte. Yuppies sollten in der Gasometer City ihren Geschäften nachgehen, Singles in günstigen Wohnungen hausen und Jugendliche ihrem Einkaufsrausch erliegen. Doch die Besucher blieben aus. Anstatt in der ambitionierten Mall einzukaufen, gingen die Wiener nach Simmering oder in die Innenstadt selbst die Bewohner, die nur ein paar Stockwerke oberhalb der Einkaufsmeile wohnten.

Heute herrscht nur im ersten Gasometer Betrieb, in den restlichen Türmen haben die Geschäfte längst dichtgemacht. Aus dem einstigen Prestigeprojekt wurde eine Geisterstadt.

Zahlreiche Studenten an Musikschulen


Nun wollen die Betreiber einen neuen Belebungsversuch starten: Das Gasometer als Mekka für Musikliebhaber. Vor einigen Jahren haben sie bereits das Musikfachgeschäft "Klangfarbe" in die Gasometer City gebracht. Nun hat man im Turm B den Umbau für neue Musikausbildungsstätten fertiggestellt.

Hier hat Österreichs erstes Spezialinstitut für Pop- und Weltmusik, die Popakademie, ihre Pforten geöffnet, gleich daneben bietet ein Gitarrenbauer seine Dienste an und im Jazzinstitut, dem "Jam Music Lab", können sich Erwachsene zu Berufsmusikern ausbilden lassen. Außerdem wurde auch ein Raum für Proben und kleinere Konzerte errichtet. 1,8 Millionen Euro hat der Umbau gekostet. Die Direktoren der Musikschulen sind optimistisch. "Vor fünf Jahren wäre ich vielleicht besorgt gewesen, dass hier etwas Derartiges passiert. Mittlerweile mache ich mir aber keine Sorgen", sagt Markus Ratka, Direktor des "Jam Music Lab". Innerhalb weniger Monate haben sich 135 Studenten an seinem Jazzinstitut eingeschrieben, um ihre mehrjährige Musikausbildung zu beginnen. Die Palette der Herkunftsländer reicht von Venezuela bis nach Russland.