Wien. Das Finanzministerium nützt den Feiertag, um nach fünf Jahren im Ausweichquartier wieder an seinen Stammsitz im ehemaligen "Winterpalais" des Prinzen Eugen zurückzukehren. Das barocke Stadtpalais beherbergt das Ministerium seit 1848 und wurde nun um 137,3 Millionen Euro renoviert. Dennoch bietet der historische Gebäudekomplex nicht allen Mitarbeitern Platz: Einige Abteilungen bleiben im Ausweichquartier in der Hinteren Zollamtsstraße, rund 600 Mitarbeiter treten ihren Dienst am Montag aber wieder in der Innenstadt an.

Etwa 5.000 Übersiedlungskartons müssen die Spediteure bewegen, um den Umzug - wie das Finanzministerium betont - ohne Beeinträchtigung des Dienstbetriebs über die Bühne zu bekommen. Der Haupteingang wurde im Zuge der Sanierung verlegt, dementsprechend lautet die offizielle Anschrift des Finanzministeriums nun nicht mehr Himmelpfortgasse, sondern Johannesgasse 5. Auch das Ministerbüro ist übersiedelt: Auf die barocken Prunkräumlichkeiten hat Ressortchefin Maria Fekter (ÖVP) verzichtet, die politischen Büros (Ministerin und Staatssekretär) wurden im ersten und zweiten Stock untergebracht.

Die Prunkräume dienen künftig als Museum unter Oberhoheit des Belvedere, das dafür einmalig 5,7 Millionen Euro für Adaptierungsarbeiten sowie jährlich 2,55 Millionen Euro für den laufenden Betrieb erhält. Erstmals für das Publikum geöffnet werden das historische "Goldkabinett" des Prinzen Eugen sowie der Rote und Blaue Salon im Oktober für eine Schau zum 350. Geburtstag des Habsburger-Feldherren. Anfang 2014 ist dann nach Angaben des Belvedere eine zeitgenössische Ausstellung geplant.

Große Kostensteigerungen
In die Schlagzeilen geraten ist das Sanierungsprojekt in den letzten Jahren unter anderem wegen der starken Kostensteigerungen. War man bei einer ersten Kostenschätzung 2004 noch von 70 Millionen Euro ausgegangen, ermittelte der Rechnungshof 2011 Gesamtkosten von 198,76 Millionen Euro. Die Sanierung schlug demnach mit 137,3 Millionen Euro zu Buche, Umbau und Miete des Ausweichquartiers in der Hinteren Zollamtsstraße mit weiteren 61,46 Millionen Euro.

Dass die Sanierungskosten deutlich über den 70 Millionen Euro liegen würden, war laut Burghauptmann Reinhold Sahl allerdings schon bei der Projektvergabe 2007 klar. Außerdem verweist er gegenüber der APA darauf, dass der Umbau letztlich umfangreicher als geplant ausgefallen sei - u.a. mit einem zusätzlichen Ausbau des Dachgeschoßes. Insgesamt mussten in dem Gebäudekomplex 640 Arbeitsplätze Platz finden - deutlich mehr als die ursprünglich geplanten 550. Eine Endabrechnung liegt zwar noch nicht vor, der vom Rechnungshof genannte Rahmen wird laut Sahl aber in etwa zutreffen.

Der nun generalsanierte barocke Gebäudekomplex umfasst nach Angaben des Finanzministeriums neben dem Winterpalais in der Himmelpfortgasse 8 auch das dahinter liegende Barockpalais Questenberg-Kaunitz in der Johannesgasse 5 (die nunmehrige offizielle Adresse des Ministeriums) sowie die Gebäude in der Himmelpfortgasse Nr. 6 und 9. Das von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) angemietete Ausweichquartier in der Hinteren Zollamtsstraße behält das Finanzministerium. Dort bleiben mehrere Abteilungen des Ministeriums (u.a. die IT-Sektion, die Stabsstellen Finanzpolizei und Spielerschutz und die Druckerei), außerdem sollen weitere Dienststellen der Finanz und das ab 2014 geplante Bundesfinanzgericht dort einziehen.