Wien. Gekringelt. So sieht der perfekte Taubenkot aus. Denn nur er weist darauf hin, dass das Tier auch gesund ist. Interessiert bestaunen rund 50 Männer und Frauen das Bild von dutzenden braunen und weißen Kringelhäufchen im Meidlinger Amtshaus. Hier hat sich gestern die Elite der deutschsprachigen Taubenlobby zur Taubentagung zusammengefunden. Es sind Ehepaare, die in ihrem Wohnzimmer jahrelang Krankenstationen und Rehabilitationszentren für die verletzten Vögel aufgestellt haben; freiwillige Helfer, die Taubenkinder aus überdachten Gleisanlagen evakuiert haben, und Tierschützer, die Anleitungen zu dem perfekten Körnergemisch zusammenstellen, damit die Tiere auch gesund und widerstandsfähig sind. Und damit der Kot auch so aussieht, wie er aussehen sollte.

Ausgehungert, geköpft und aufgespießt

Sie sind die Robin Hoods unter den Tierschützern. Denn sie wissen, mit ihren Schützlingen lassen sich keine Spendenaufrufe machen. Fliegende Ratten. Parasitenschleudern. Salmonellenbomben. So nennt sie der Volksmund. Dass sie einst wilde Tiere waren, die man in Taubenschlägen domestiziert hat und dann wieder in den Städten ausgesetzt hat, wo sie zu Bettlern und Obdachlosen wurden, habe man offenbar vergessen, meint ein Vortragender.

"Ein Ziel ist es, das Image der Tauben zu heben", erklärt der Wiener Tierschutzombudsmann Hermann Gsandtner. Er ist Wiens Herr der Tauben. Vor drei Jahren hat der Tierarzt im Dachgeschoß des Meidlinger Amtshauses ein Pilotprojekt gestartet. Ein Taubenschlag wurde hier errichtet, in dem die Tiere nicht nur Futter und Wasser vorfinden, sondern auch nisten können. Der Clou: Ihre Eier werden gegen Plastik-Attrappen ausgetauscht. So soll Wiens Taubenpopulation - geschätzte 150.000 Tiere - reduziert werden. Und das tiergerecht. Bloß: Die Tauben wollen nicht kommen. 60 bis 70 Tauben statten dem Taubenschlag derzeit gelegentlich einen Besuch ab. Gebaut wurde er für 300 Tiere. "Es sollte besser laufen, als es derzeit läuft", sagt Gsandtner. Er wirkt ein bisschen zerknirscht auf dem Podium. Zu diesem Zweck hat er auch gemeinsam mit der Arge Stadttauben-Salzburg die spezielle Tagung einberufen. Er braucht Hilfe von seinen Mitstreitern. Rasch melden sich zahlreiche Experten aus dem Publikum. Gibt es Handymasten in der Nähe? Wie sieht es mit Krähen aus? Wo es Krähen gibt, wollen keine Tauben hin, sagt die Erfahrung. Hat man sich schon Gentrifizierung überlegt? Man nehme träge, fast schon flugunfähige Haustauben, siedelt sie im Taubenschlag an und hofft so auf den Zuzug des mobilen Straßenvolks.