Bis 2014 soll das Haus nur noch Kategorie A-Wohnungen mit Passivhaus-Charakter beherbergen. - © pid
Bis 2014 soll das Haus nur noch Kategorie A-Wohnungen mit Passivhaus-Charakter beherbergen. - © pid

Wien. In der Eberlgasse im 2. Bezirk wird das erste bewohnte Gründerzeithaus in Wien zu einem Passivhaus umgewandelt. Am Freitag stellte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig gemeinsam mit Bezirksvorsteher Karl-Heinz Hora sowie Hausmiteigentümer und Bewohner Andreas Kronberger das Projekt vor, bei dem eine 90-prozentige Reduktion des gesamten Heizwärmebedarfs erzielt werden soll.

Eine solche Wohnbausanierung in Passivhausqualität erfordert laut Ludwig die Erfüllung besonderer Voraussetzungen. So müssen etwa die entsprechenden technischen Maßnahmen möglich sein, vor allem aber müssen die Mieter, in deren Wohnungen Einbauten erforderlich sind, ihre Zustimmung dazu geben. Denn im Zuge der Sanierung muss der eine oder andere Mieter übersiedeln. "Es ist so, dass es im Gebäude Leerwohnungen gibt, in die die Mieter kurzfristig ziehen, während etwa der Fenstertausch stattfindet", erklärt Ludwig in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Insgesamt handelt es sich um eine sehr aufwendige Sanierung, die immerhin mit 1,1 Millionen Euro zu Buche schlägt - wobei die Stadt das Pilotprojekt mit einen Landeszuschuss von rund 490.000 Euro unterstützt sowie einem Landesdarlehen von rund 257.000 Euro.

Im Zuge des Projekts wird die gesamte Wohnnutzfläche auf Kategorie A angehoben. Sämtliche Fassaden sowie auch der Lift werden neu instand gesetzt und wärmegedämmt. Passivhausfenster und -balkontüren werden eingebaut, die Kellerdecken mit einer Wärmedämmung versehen - und für eine kontrollierte Wohnraumlüftung wird ein zentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Dafür muss wiederum in jeder Wohnung ein Installationsschacht errichtet werden. Zusätzlich erfolgt der Einbau einer Grundwasser-Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung, und aufs Dach kommt eine Photovoltaikanlage zur Abdeckung des Strombedarfs der Dachgeschoßwohnungen.

Mehrkosten für die Mieter


Das bedeutet allerdings auch Mehrkosten für die Mieter: Statt wie bisher zwei Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlen sie künftig immerhin 6,50 Euro pro Quadratmeter. Wobei die Miethöhe 15 Jahre lang auf besagtes Niveau angehoben wird, um sie dann wieder auf die ursprüngliche Richtwertmiete zurückzuführen. "Das erfolgt aber alles mit dem Einverständnis der Mieter und ist über die Schlichtungsstelle vereinbart worden", erklärte Ludwig. Schließlich handle es sich um eine "ungeheure Qualitätsverbesserung": Die Wohnungen in derzeitiger Form seien Substandard mit WC und Wasser auf dem Gang. "Jetzt bekommen sie eine hochqualitative Kategorie-A-Wohnung, die noch dazu noch Passivhaus-Charakter hat. Das ist ein Quantensprung und die Mieter sind sehr zufrieden."

Weitere Projekte möglich


Sind weitere Projekte angedacht? "Das wird derzeit geprüft. Aber mit jedem Gründerzeithaus können wir das nicht machen, weil das sehr kostenaufwendig und nur dort sinnvoll ist, wo die Mieter so etwas auch wollen", sagt Ludwig. Schließlich müssten Bewohner eines Passivhauses andere Verhaltensweisen an den Tag legen als "normale" Hausbewohner. So kann man etwa nicht mehr die Fenster aufreißen, um die Wohnung durchzulüften. Außerdem gelte es auch, bestimmte technische Rahmenbedingungen zu akzeptieren. "Es sind auch komplexe Anlagen in dem Technikraum eingesetzt worden, mit denen die Mieter auch umgehen können sollten."

Zuerst sollen aber die Ergebnisse des aktuellen Projekts nach der Fertigstellung 2014 von der Wohnbauforschung evaluiert werden. Mit diesen Ergebnissen will die Stadt dann versuchen, EU-Förderungen für weitere Projekte zu bekommen.