Fahrschule geplündert. - © Ziegler
Fahrschule geplündert. - © Ziegler

Wien. Rund 400 Führerscheinanwärter der Fahrschule Europa im 3. Wiener Gemeindebezirk sind einem handfesten Betrug aufgesessen. Der Geschäftsführer verschwand übers Wochenende mit zwei Autos, Papieren und vor allem Geld, den Vorauszahlungen für die Kurse. Was bleibt, sind die geprellten Fahrschüler, die sich nun um eine andere Fahrschule umsehen müssen, und der offizielle Inhaber Josef Gabriel. Der hat die Fahrschule am Montag endgültig zugesperrt.

Derselbe Hintermann


Der Fall hat eine Vorgeschichte: Bereits 2011 hat die zuständige Magistratsbehörde dieser Fahrschule ihre Bewilligung entzogen. Die Behörden vermuteten eine "Strohmannpraxis". Gabriel sei der Strohmann, der Hintermann ein bereits bekannter Betrüger. Dieser soll bereits 2006 die damalige Fahrschule Kaisermühlen in den Bankrott geführt haben. Damals wurden rund 800 Fahrschüler um ihr Geld gebracht.

Warum die Fahrschule Europa dennoch bis heute ihren Betrieb weiterführen konnte, lag schlichtweg an den gerichtlichen Mühlen - und die mahlen bekanntlich langsam. Der Unabhängige Verwaltungssenat Wien hat die Entziehung bestätigt. Dann war es Sache des Verwaltungsgerichtshofs, der erst 2010 die Entziehung ebenfalls bestätigte. Zu dieser Zeit hatte der Hintermann bereits seine neue Fahrschule aufgemacht, jene Gabriels.

Am Montag standen daher wieder geprellte Fahrschüler vor verschlossenen Türen. Der Titel "aufschiebende Wirkung" hielt den Betrieb trotz laufendem Verfahren aufrecht. Rund 30 Beschwerden langten am Mittwoch beim Verein für Konsumentenschutz ein. "Ein Schüler hat 600 Euro gezahlt und keine Leistung bekommen", so Ulrike Wolf vom VKI. Gegen einen im Voraus zu zahlenden Pauschalpreis von 599 Euro konnte man den B-Schein erwerben. Zurzeit sei unklar, ob die Fahrschule die Rückerstattungen leisten kann. Auch bei der Polizei sind bereits 27 Anzeigen eingelangt. Die Fahrschüler haben nun die Möglichkeit einer zivilrechtlichen Klage. Vor allem aber müssen sie sich nun an andere Fahrschulen wenden, um ihren Kurs fertig zu machen.

Anzahlung ist Praxis


Laut Magistrat sind jene zwei Fälle - Fahrschule Kaisermühlen und Europa - Einzelfälle. Rund 50 Fahrschulen sind derzeit in Wien gemeldet. Auch bei anderen Fahrschulen seien Vorauszahlungen üblich. Bei der Fahrschule Rainer auf der Wiedner Hauptstraße etwa müssen rund 400 Euro im Voraus bezahlt werden. Alle weiteren Leistungen, wie Fahrstunden oder Computerprüfung, können separat entrichtet werden. Die Arbeiterkammer fordert nun neue Regeln. Im Fall einer Pleite müssen Fahrschulbetreiber eine wirksame Absicherung bieten.

Für Gabriel ist das zu spät. Er haftet nun für alles.