Wien. (rös) In den vergangenen Wochen wurden Preissenkungen noch abgelehnt, jetzt hat sich die EnergieAllianz Austria (EAA) - eine gemeinsame Vertriebstochter von Wien Energie, EVN und Energie Burgenland - doch noch dazu durchgerungen, die Preise für Strom und Gas ab 1. Oktober zu senken, wie am Freitag bekannt gegeben wurde.

Während der Verbund bereits angekündigt hat, den Energiepreis ab September um rund 10 Prozent zu senken, wird die Energieallianz diesen nur um durchschnittlich 3,6 Prozent reduzieren. Die Preissenkung gilt für Haushalte und Kleingewerbebetriebe und bezieht sich auf den Energiepreis ohne Steuern, Abgaben und Netzgebühren, wie die EAA am Freitag mitteilte. Das ist insoferne relevant, als der reine Strompreis meist nur etwa 40 Prozent der gesamten Stromrechnung ausmacht.

"Die Preissenkung bringt einem durchschnittlichen Haushalt bei der EVN mit einem Verbrauch von 3500 kWh Strom und 20.000 kWh Gas pro Jahr eine Ersparnis von 45 Euro", sagte EVN-Sprecher Stefan Zach am Freitag.

Mit der etwas größer ausgefallenen Strompreissenkung vom Verbund lasse sich das Paket der EAA aber nicht direkt vergleichen, meinte Zach. Bei der EAA würden nämlich Haushaltskunden Preisnachlässe von bis zu 100 Euro für energieeffiziente Haushaltsgeräte bekommen. Dazu gebe es noch Energieberatungen oder die Berechnung von Energieausweisen in Form eines Energiegutscheins. Wie eine Sprecherin der Wien Energie Vertrieb erklärte, beteilige sich das Unternehmen hier mit rund 7 Millionen an diesem 15 Millionen-Euro-Maßnahmenpaket der Energieallianz Austria. "Das ist mehr als eine Preissenkung, es ist eher ein richtungsweisendes Energiepreispaket", betonte EAA-Geschäftsführer Christian Wojta.

Im Büro von Finanzstadträtin Renate Brauner rechtfertigt man die moderat ausgefallene Senkung auch mit der Verantwortung gegenüber den Kunden. "Wir wollen ja nicht in ein paar Jahren die Tarife wieder empfindlich anheben müssen", hieß es.

E-Control wünscht sich mehr

Bei der E-Control zeigte man sich am Freitag mit Vorbehalt zufrieden. "Endlich kommt etwas Bewegung in den Markt", sagte etwa der Vorstand der Energieregulierungsbehörde, Martin Graf. Immerhin sei der Großhandelspreis an der Strombörsen seit 2008 um ganze 44 Prozent gesunken. Und erst jetzt würden diese Kostenvorteile von einigen Versorgern an die Haushalte weitergegeben - wenn auch in sehr geringem Ausmaß: "Gerade die letzte angekündigte Preissenkung hätte deutlich höher ausfallen können", so Graf.

Der Regulator wünscht sich, dass die Preissenkungen weitere Nachahmer finden. "Wir hoffen, dass andere Versorger nachziehen. Es ist höchste Zeit, dass Kunden endlich von dem günstigeren Börsenstrompreis profitieren und nicht wie bisher nur die Industrie", erklärte wiederum Vorstand Walter Boltz.

Vonseiten der Opposition setzte es mäßige bis heftige Kritik: ÖVP-Chef Manfred Juracka begrüßte zwar die Preissenkung, zumal ein Wiener Durchschnittshaushalt für Strom und Gas um 5,3 Prozent mehr bezahle als ein Grazer. Er forderte aber auch die Stadtregierung auf, künftig nur noch die tatsächlich anfallenden Kosten zu verrechnen. "Der Rechnungshof hat dargelegt, dass die Stadt Wien Überschüsse von rund 100 Millionen Euro pro Jahr erzielt. Mit diesem "Körberlgeld" muss Schluss sein", betonte Juraczka.

"Schlechter Witz"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bezeichnete die Strom- und Gaspreissenkung um 3,5 Prozent als einen "schlechten Witz". Laut Strache hat die Wiener SPÖ die Strompreise zwischen 2006 und 2013 um 20 Prozent und die Gaspreise um 50 Prozent erhöht, das sei eine Mehrbelastung von 722 Euro pro Familie. "Deswegen ist die 3,5-prozentige Senkung lächerlich und als ausgelutschtes SPÖ-Wahlkampfzuckerl zu betrachten", polterte Strache und fordert eine merkbare Senkung um 10 Prozent beziehungsweise 20 Prozent bei Strom und Gas.