Gebäude wie die barocke Peterskirche in Wien müssen vom Bundesdenkmalamt laufend restauriert werden. - © BDA, Schönolt
Gebäude wie die barocke Peterskirche in Wien müssen vom Bundesdenkmalamt laufend restauriert werden. - © BDA, Schönolt

Wien. Wer den Tag der Nationalratswahl, den Sonntag, zu einem denkwürdigen Tag machen möchte, hat in Wien über den Stimmzettel hinaus Gelegenheit dazu. Denn das Bundesdenkmalamt feiert seinen 16. Tag des Denkmals und macht Orte und Räume zugänglich, an die man sonst nicht so leicht herankommt. Auch Führungen durch die Stadt, ein Fotowettbewerb und Veranstaltungen für Kinder soll es geben.

Der Tag des Denkmals will auf Wiens Geschichte hinweisen, genauer gesagt auf ihren Erhalt. Der Tag wurde 1995 auf einen Europaratsbeschluss hin eingeführt. Es sei notwendig, historische Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern auch deren Bedeutung der Bevölkerung bewusst zu machen, so das deklarierte Ziel. Zwei Jahre später gab es den Tag dann auch erstmals in Österreich und so auch in Wien.

Kreis der Denkmäler in Wien erweitert sich


Die Kurve der erhaltungswürdigen Gebäude geht in Wien nach oben. Jedes Jahr kommen laut Landeskonservator Friedrich Dahm 25 bis 30 Denkmäler dazu - von Häusern bis zu Sammlungen. Umgekehrt wird keinem Gebäude der Denkmalschutz abgesprochen. Ein langes Verfahren geht einem solchem Schutz voran. Zunächst wird der Eigentümer informiert, dass das Denkmalamt einen Schutz beabsichtigt, dann der Bescheid ausgestellt, dass die Erhaltung im öffentlichen Interesse ist. "Bei Einsprüchen kann ein Verfahren über Jahre gehen", sagt Dahm zur "Wiener Zeitung", "es kann aber auch zwei Monate dauern." Zuletzt wurde das äußere Erscheinungsbild des Haas-Hauses von Architekt Hans Hollein am Stephansplatz unter Denkmalschutz gestellt.

Derzeit existieren 3250 Denkmäler in Wien. 39 davon hat das Bundesdenkmalamt für kommenden Sonntag ausgewählt. Bekannte und weniger bekannte Orte stehen auf dem Programm. Das diesjährige Motto lautet "aus Stein?". Denn nicht alles ist Naturstein, womit gebaut wurde. Fassaden, Ornamente, Wandverkleidungen und Skulpturen wurden seit der Antike aus Steinimitationen hergestellt. Marmorimitationen wie Stuckmarmor waren mehrschichtig aufgebauter Mörtel aus Gips, Leim und Pigmenten. An vielen Orten können an diesem Tag Herstellung und Restaurierung genau beobachtet werden, wie etwa im Atelier Mahr in Margareten.

Auch die Fassade des Rathauses wird zum Schauobjekt. Am Rathaus wird derzeit die alte Fassade generalsaniert. Sie besteht aus mehr als 20 Arten von Natursteinen. Im Zuge von Führungen wird erklärt, wie man etwa Stein reinigt. Steinmetze geben Einblick in ihre Arbeit. Auch in der Dombauhütte zu St. Stephan am Stephansplatz können Steinmetze beobachtet werden.

Die Großloge von Österreich in der Rauhensteingasse ist bereits ausgebucht. Sie öffnet für diesen Tag ausnahmsweise ihre Türen, da der Stein ein wichtiges Symbol der Freimaurerei ist. Dafür kann das Wotruba-Depot im 21er Haus besichtigt werden. Es öffnet an diesem Tag ausnahmsweise seine Pforten und zeigt den umfangreichen künstlerischen Nachlass des Wiener Bildhauers Fritz Wotruba. Weitere Stationen sind unter anderen das Zacherlhaus, Secession, Hofburg, Michaelerkirche, Gustinus Ambrosi Museum im Augarten, Krankenhaus St. Elisabeth, Pestsäule, Peterskirche oder der Karl-Marx-Hof.

Grenzüberschreitende Ausflüge


50 europäische Länder halten dieser Tage ihr kulturelles Erbe hoch. Seit 2012 bietet der Tag des Denkmals auch Ausflüge zu den Burgen und Schlössern in Böhmen oder in den slowenischen Ort Kamnik, zu Deutsch "Stein".