Wien. Zweibett-Zimmer, angebrannte Herdplatten, abgeschnuddelter Teppich waren einmal. Die Studenten von heute beziehen Einzelappartements mit Designerbad und Fitnessstudio - so die Ausstattung einer Herberge in der Leopoldstadt, die kürzlich eröffnet wurde. Die neue Wirtschaftsuniversität mitten im Prater trägt zur schon vor Jahren begonnenen Wandlung des einst vernachlässigten 2. Bezirks bei - und das ist ihre Geschichte: 1982 übersiedelte die WU Wien in das über dem Frachtenbahnhof des Franz-Josephs-Bahnhofs errichtete Universitätszentrum Althanstraße (UZA I) in Wien-Alsergrund. Bereits kurz nach der Fertigstellung wurden Wohnungen im Umfeld angemietet, da der für 9000 Personen konzipierte Neubau schon beim Einzug knapp 10.000 Studenten fassen musste. 23 Jahre später fiel der Beschluss, in ein neues Gebäude zu ziehen. Die Entscheidung für den Standort am Messegelände im Wiener Prater erfolgte 2007, der Spatenstich 2009.

Nach vier Jahren Bauzeit war es dann so weit: Die Koffer wurden gepackt. 26.000 Umzugskartons, 42.000 Möbelstücke wurden unter anderem verfrachtet. Morgen, Freitag, wird die Wirtschaftsuniversität nun feierlich eröffnet. Ihre neue Adresse: "Welthandelsplatz 1".

Sechs Gebäude


Ein scheinbar schwebendes Dachelement zeichnet das größte der insgesamt sechs Uni-Gebäude am Campus aus. Es wurde von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid entworfen. Die Entscheidung der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) und des Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums, jedes Gebäude von einem anderen Architekten bauen zu lassen, liefert nun ein höchst diverses Bild. Neben Hadids "Library & Learning Center", welches Bibliothekszentrum, Festsäle und ein Café beherbergt, steht das "Teaching Center" der Architektin Laura Spinadel vom Wiener Büro BUSarchitektur. Der mit rostenden Stahlplatten verkleidete Bau beinhaltet das für 650 Personen ausgelegte Audimax, andere Hörsäle und die Mensa.

Der größte Bau am Campus von Zaha Hadid. - © Nathaniel Minor
Der größte Bau am Campus von Zaha Hadid. - © Nathaniel Minor

Seminarräume finden sich im schwarz-weiß gehaltenen Bau der Spanierin Carme Pinos. WU-Rektor Christoph Badelt wird in dem grell bemalten Gebäude der britischen Architekten Peter Cook und Gavin Robotham Platz nehmen. Aus "tausend Schichten" besteht das Gebäude des japanischen Architekten Hitoshi Abe. Dort finden sich neben Seminarräumen auch ein Buchgeschäft, ein Supermarkt, ein Bierlokal und ein Kindergarten. Schlussendlich gibt es noch den kleinsten Campus-Bau, die "Executive Academy" des Spaniers Eduardo Arroyo. Der siebenstöckige Turm mit einer Glas-Aluminium-Fassade bietet Büroarbeitsplätze im Open Space und ein öffentlich zugängliches Dachrestaurant mit Terrasse.

Der Campus ist in seiner Ausführung nicht unumstritten. "Einerseits wollte man dezidiert markante Stile, aber andererseits sind die Handschriften vielleicht auch zu stark", meinte Architekturexpertin Isabella Marboe. Zweifelsohne ist der Campus aber derzeit Europas größtes Uni-Bauprojekt. Auch wurde gendergerecht geplant. Die Hälfte der Architekten sind Frauen. 55.000 der 100.000 Quadratmeter umfassenden Nutzfläche sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Damit steht der 560 Meter lange Campus mit Supermarkt, Buchhandlung, Kindergarten und Sportzentrum auch den Anrainern zur Verfügung. Als natürliche Grenze wurden Bäume gesetzt.

Der neue Campus ist so ganz anders als der alte monotone WU-Koloss im 9. Bezirk. Dieser steht nun leer, und keiner will dort mehr so wirklich hin.