Wien. "Coffee to Go" im Starbucks oder eine Melange in einem traditionellen Wiener Kaffeehaus? In Wien stehen geschätzten 140 Traditionskaffeehäusern 13 Starbucks-Filialen, 15 Coffee- Shops und 37 McCafés gegenüber. Gibt es da einen Konkurrenzkampf? "Solange ein Starbucks nicht nebenan steht, ist er kein Problem für uns", so Berndt Querfeld, Geschäftsführer des Café Landtmann und Spartenobmann der Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer Wien. Dennoch setzt er hinzu: "Meine Mutter würde sagen: ‚Jede Laus beißt‘ - also jeder Kaffee, der woanders getrunken wird, ist schlecht für uns." Am Mittwoch feierte das Café Landtmann am Universitätsring seinen 140. Geburtstag.

Starbucks erzieht zum Kaffeetrinken


Auch Norbert Lux von der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wirtschaftskammer Wien sieht Starbucks nicht als Konkurrenz für Traditionskaffeehäuser: "Ich denke, Starbucks erzieht das junge Publikum zum Kaffeetrinken, damit sie später dann auch ins Kaffeehaus gehen." Lux zufolge zieht Starbucks eher das Publikum unter 20 Jahren an. Querfeld führt an, dass Ketten wie McCafé dem Landtmann deshalb nicht schaden würden, weil die Positionierung eine andere sei. Der schnelle Kaffee wird im Landtmann nicht beworben. In Traditionskaffees geht es Querfeld zufolge um das "Slow Food-Prinzip".

Insgesamt müsse man mit der Definition von Traditionskaffeehäusern aber vorsichtig sein. "Es gibt hier keine wirklichen Abgrenzungskriterien", erklärt Norbert Lux. Querfeld geht von 140 Wiener Kaffeehäusern aus, die den Titel Traditionskaffeehaus tragen können. "Nimmt man alle Kaffeehäuser, die traditionell geführt werden und auch architektonisch einem Traditionskaffeehaus entsprechen, kommt man auf diese, großzügig geschätzte Zahl."

Von der Gründung bis zum Kaffeehaussterben


Das Café Landtmann wurde im Jahr 1873 von Franz Landtmann gegründet. 1976 übernahm die Familie Querfeld das Café. Das sei Berndt Querfeld zufolge eigentlich die Zeit des großen Kaffeehaussterbens, ausgelöst durch den Vormarsch der Espressomaschine, gewesen. Seinen Eltern Herbert und Anita gelang es dennoch, das Landtmann als "Grand Café" zu positionieren. Es hat sich gehalten. Die Zeiten haben sich aber geändert: "Die Kunden haben leider Slogans wie ,Geiz ist geil‘ in sich aufgesaugt und verstehen oft nicht mehr, warum sie für ein Bier vier Euro zahlen sollen", meint Querfeld. Deshalb sei auch Leitungswasser in den vergangenen Jahren zum meistbestellten anti-alkoholischen Getränk geworden. Im Sommer dieses Jahres löste das Café eine große Diskussion aus, als es für Leitungswasser Geld verlangte. Querfeld dazu: "Wir waren das erste Großunternehmen, das Wasser als Getränk angesehen hat. Es ist so, dass man als Kunde nicht das Wasser zahlt, sondern das Café Landtmann, das schließlich instand gehalten werden muss." Denn der Erhalt des alten Cafés ist Querfeld zufolge keine günstige Angelegenheit: 500.000 Euro werden jährlich in den Erhalt gesteckt.