Wien. Die Wiener haben in Sachen Sucht vor allem ein Alkoholproblem. Elf Prozent der über 15-jährigen Männer haben einen riskanten Alkoholkonsum, ebenso sechs Prozent der Frauen. Dann kommen die Nikotinabhängigkeit und der häufige Gebrauch von Psychopharmaka. Erst darauf folgen die illegalen Drogen. Das sind die Kernaussagen der neuen "Suchtmittel Monitoring Studie" des Instituts für Empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der Sucht- und Drogenkoordination Wien, den Experten am Donnerstag präsentierten.

"Die Suchtmittel Monitoring Studie wird seit 1993 alle zwei Jahre durchgeführt. Sie läuft auch jeweils mit fast identen Fragestellungen ab. Wir haben damit eine echte Zeitreihe, was die Abhängigkeitsproblematik in der Allgemeinbevölkerung angeht. In der aktuellen Studie wurde ein repräsentatives Sample von 600 Personen im Alter ab 15 Jahren befragt", sagt der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel. Für die diesjährige Studie liefen die mündlichen Befragungen von März bis April.

Auch mehr Abstinenzler


Die größte Problematik stellt der Alkohol dar. "Bereits 35 Prozent der Bevölkerung trinken zumindest zwei- bis dreimal pro Woche Alkohol (17 Prozent fast jeden Tag, 18 Prozent zwei- bis dreimal pro Woche). Gleichzeitig hat sich der Anteil der absoluten Abstinenzler erhöht. Es sind jetzt 22 Prozent der Bevölkerung", erklärt Dressel. 2007 und 2009 waren es 17 Prozent und 2011 19 Prozent. Beim Alkoholkonsum zumindest alle zwei bis drei Tage wurde 1997 der bisher schlechteste Wert (39 Prozent) erreicht, der tiefste 2005 mit 25 Prozent.

Höchster Anteil ab 50 Jahren


Durch die Größe der Alkoholproblematik in der Wiener Bevölkerung gibt es aus der Untersuchung auch Hinweise auf die demografische bzw. geschlechtsspezifische Entwicklung. "Es ist nicht so, dass die Jugendlichen immer früher Alkohol konsumieren (aktuelles ,Einstiegsalter‘ im Durchschnitt 16,1 Jahre; 2007: 15,1 Jahre). Wir haben den höchsten Anteil von riskantem Alkoholkonsum bei den über 50-jährigen Männern", sagt Dressel. Frauen würden zunehmend mehr Alkohol konsumieren.

Rauchen auf Platz zwei


Das zweite große Problemfeld ist bei den Substanz gebundenen Suchterkrankungen das Rauchen. "32 Prozent der Wiener sind regelmäßige bzw. tägliche Raucher. Das zeigt, dass alle Maßnahmen, die bisher gesetzt wurden, um den Nikotinkonsum zu reduzieren, nicht gegriffen haben. Bei den Jugendlichen sind wir unverändert im Spitzenfeld", meint der Wiener Drogenbeauftragte Alexander David. In diesem Jahr "outeten" sich 55 Prozent der Wiener als Nichtraucher, 2003 waren es 61 Prozent gewesen, 1995 sogar 63 Prozent.