Eine bisher kaum öffentlich diskutierter Aspekt ist der häufige Gebrauch von Psychopharmaka, also von Beruhigungs- und Schlafmitteln. Darunter fallen nicht die spezifisch wirkenden Antidepressiva und Antipsychotika (bei Schizophrenie etc.). Hier gibt es eine erhebliche Suchtproblematik.

Tabletten großes Problem


Laut Hans Haltmayer, ärztlicher Leiter der Suchthilfe Wien haben 20 Prozent der Bevölkerung bereits zumindest einmal Beruhigungstabletten eingenommen (13 Prozent innerhalb der vergangen drei Jahre, vier Prozent innerhalb des vorangegangenen Monats; Anm.). Und 24 Prozent haben schon einmal Schlafmittel eingenommen (22 Prozent in den vergangenen drei Monaten, 13 Prozent im vorangegangenen Monat).

"Das zeigt, dass offenbar der Druck in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt zunimmt", meint der Arzt. Dem Druck werde fälschlicherweise mit Psychopharmaka begegnet. Gleichzeitig gebe es gerade auf diesem Gebiet noch recht wenig Problembewusstsein. "Diese Mittel verschreibt ja der Arzt." Daher "müssen" sie auch gut sein", so Haltmayer.

Keinesfalls kann man aufgrund der aktuellen Umfrage von einem wachsenden Problem bei illegalen Suchtgiften sprechen, betonen die Experten. Die sogenannten "harte Drogen" wie Opiate und Kokain werden nur von einer absoluten Minderzeit benutzt. David sieht eine zunehmende älter werdende Population bei den Opiatabhängigen. Und es kommen kaum Jugendliche nach.

Die 68er sterben nicht aus


Der Haschisch- und Cannabiskonsum allerdings zieht sich mittlerweile quer durch die gesamte Bevölkerung. "24 Prozent der Wiener haben schon zumindest einmal Hanfprodukte konsumiert, 13 Prozent innerhalb der vergangenen drei Jahre, sechs Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage. Wir sehen die Entwicklung so, dass sozusagen die ‚68er-Generation damit angefangen hat und dies auch weiter tut. Jugendliche wachsen hier nach", erklärt Alexander David. Zum Vergleich: Im Jahr 1993 hatten nur fünf Prozent der Befragten von einem zumindest einmaligen Haschisch- oder Cannabiskonsum berichtet, 2003 waren es 16 Prozent, 2011 dann schon 21 Prozent gewesen.

Für Dressel ist die Zielrichtung der Drogenpolitik in Wien klar: "Wir brauchen mehr und besser abgestimmte Behandlungsangebote für Alkoholkranke und Arzneimittelabhängige. Das hat Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely auch in der neuen Sucht- und Drogenstrategie so festgelegt - die "Wiener Zeitung" hat ausführlich darüber berichtet.