Wien. Die Vertreibung von Obdachlosen aus dem Wiener Stadtpark hat vergangene Woche für Kritik, etwa von der Caritas oder den Grünen, gesorgt. Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) verwies am Dienstag auf rund 5000 verfügbare Wohn- und Schlafplätze: "In dieser Stadt bracht niemand im Freien schlafen." Peter Hacker, Chef des Fonds Soziales Wien (FSW), versicherte, dass man Menschen nicht vertreiben wolle, sprach sich aber klar gegen "Zeltstädte in Stadtparks oder sonst wo" aus. Denn solche würden die Ziele der Wohnungslosenhilfe konterkarieren, argumentierte er.

In der Vorwoche waren Obdachlose von der Polizei aus dem Stadtpark vertrieben worden, die dort seit mehreren Monaten auf Parkbänken ihr provisorisches Nachtquartier aufgeschlagen hatten und bis zu dreimal pro Woche von Nachtstreetworkern der Caritas betreut wurden. Die Exekutive war nach Beschwerden von Anrainern eingeschritten. Caritas und Grüne kritisierten daraufhin die "Entfernung" der Betroffenen.

Laut Caritas, die sich wiederum auf Angaben von Obdachlosen bezieht, sollen am späten Montagnachmittag erneut einige Menschen ohne Dach über dem Kopf zum Verlassen des Areals aufgefordert worden sein. Polizei und Behörden konnten dies vorerst nicht bestätigen. "Die Obdachlosen liegen jetzt zum Teil am Rand des Stadtparks" und würden sich vor der Polizei verstecken, berichtete indes Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner: "Wir sind mit Polizei und Stadt im Gespräch. Alle Beteiligten sind an einer raschen Lösung im Sinne der obdachlosen Menschen interessiert. Ein Runder Tisch zwischen Stadt, Polizei und NGOs sei geplant.

Jährlich 48 Millionen Euro für Wohnungslosenhilfe

Auf das Thema angesprochen, sagte FSW-Chef Hacker, dass es Ziel der Wohnungslosenhilfe sei, Betroffene zu unterstützen, um wieder auf eigenen Beinen stehen und in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Deshalb habe man "kein Interesse daran, dass Obdachlose auf der Straße zelten", denn das widerspreche den erwähnten Bemühungen und "würde uns nicht nur nicht weiterbringen, sondern sogar zurückwerfen". "Wir wollen auch, dass die Menschen Verständnis dafür haben, dass wir 48 Millionen Euro pro Jahr in die Wohnungslosenhilfe investieren", so Hacker. Man könne daher nicht so handeln, als wären Zeltstädte eine sozialpolitische Errungenschaft. "Wir wollen aber auch nicht, dass Menschen vertrieben werden", insofern sei nicht automatisch jeder Einsatz von Exekutivbeamten oder Sozialarbeitern "außerhalb jeder Kritik", betonte Hacker.

Stadträtin Wehsely ergänzte, dass den Menschen im Stadtpark ihres Wissens nach Angebote gemacht worden seien, in Schlafstellen zu gehen. "Diese Angebote wurden nicht angenommen". Etwaiger Müll sei dann entfernt, jedoch niemandes Hab und Gut weggenommen worden, versicherte sie.