Wien. Wien hat ein Alkoholproblem. Das ergab die aktuelle "Suchtmittel Monitoring Studie" des Instituts für Empirische Sozialforschung (Ifes), die "Wiener Zeitung" hat darüber berichtet: Die Frequenz des Alkoholkonsums der Wiener hat sich laut dieser Studie in den letzten Jahren erhöht. 35 Prozent der Wiener trinken zwei bis drei Mal pro Woche Alkohol. Die völlig Abstinenten belaufen sich auf 22 Prozent. Der Anteil der Alkoholabhängigen an der gesamten österreichischen Bevölkerung liege laut Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely bei fünf Prozent.

Neue Untersuchung

Diesen Zahlen schenkt der Marktanalyst Andreas Kreutzer keinen Glauben: "Die offizielle Zahl Alkoholkranker in Österreich ist fünf Prozent, heißt es. Wenn man sich die Untersuchungen anschaut, aus der diese Zahl kommt, dann stellt man fest, dass die Fallzahl aus der hochgerechnet wird, nur eine Anzahl von 50 Personen ist. 50 Personen rechnen wir auf die österreichische Bevölkerung um. Die Zahl der Glückspielsüchtigen in Österreich wird von 40 Personen hochgerechnet. Die Einführung einer neuen Geschmacksrichtung bei einem Fruchtjoghurt ist im Regelfall statistisch besser abgesichert", klagt Kreutzer über die aktuelle Datenlage.

Die finanziellen Mittel für Suchtforschung und Prävention seien aber seiner Meinung nach durchaus vorhanden. Gemeinsam mit Suchtforscherin Gabriele Fischer hat er in einer neuen Untersuchung die Folgekosten von Alkohol-, Tabak-, Drogen- und Glücksspielsucht den Einnahmen des Staates durch Steuern und Abgaben gegenübergestellt. Die neuen Ergebnisse beruhen dabei vor allem auf einer Auswertung früherer Studien und Schätzungen. Was den Alkoholmissbrauch betrifft, stehen 255 Millionen Euro Folgekosten Einnahmen von 385 Millionen Euro aus Alkohol- und Mehrwertsteuer gegenüber. Das ergibt ein Saldo von 130 Millionen Euro. Soziale Folgekosten schließen medizinische Ausgaben, soziale Ausgaben, staatliche Kosten sowie den Produktivitätsverlust mit ein. Für Tabak nehme der Staat 1,587 Milliarden Euro ein, wobei der neuen Untersuchung zufolge nur 234 Millionen Euro Folgekosten durch Tabakkonsum entstehen.

1,5 Milliarden plus?

Werden Drogen und das Glücksspiel dazugerechnet, kommen Kreutzer und Fischer auf jährlich 2,2 Milliarden Euro Einnahmen für den Staat. Dem gegenüber stünden 777 Millionen Euro an Ausgaben, welche die Folgekosten darstellen. "Die Kosten sind nur ein Drittel der Einnahmen. Der Saldo ist positiv mit 1,5 Milliarden Euro. Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist das eine gute Nachricht. Was ich in dem Zusammenhang aber nicht verstehe, ist, dass man, wenn etwas übrig bleibt, nicht die Mittel hat, um für die Suchtforschung, für die Prävention und die Therapie die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen", meint Kreutzer.