70 betreute Streunerplätze


In der Zwischenzeit wird es langsam hell. Die Arbeit der Katzenfänger beginnt im Morgengrauen. Dies habe Hnat zufolge den Grund, dass man Ruhe brauche, um die oftmals sehr scheuen Streuner zu fangen. Die Jungtiere tollen noch immer um die Falle herum. Sie schauen wohlgenährt aus. Es gebe aber auch ganz andere Plätze, meint der Katzenfänger. Momentan betreuen er und sein Kollege rund 70 Streuner-Plätze in ganz Wien. Auf manchen leben Katzenkolonien mit bis zu 40 Tieren.

Bei einigen wild lebenden Katzen handelt es sich um ehemalige Hauskatzen, die von ihren Haltern ausgesetzt wurden. Andere sind bereits in der Natur zur Welt gekommen. Die Streuner sind auf Menschen angewiesen, die sie füttern. "Es gibt so viele Katzen, die könnten nicht alle von Mäusen oder Vögeln leben", erklärt Hnat. Die Tiere vermehren sich immer weiter. Ein Problem würden dabei Menschen darstellen, die ihre freilaufenden Hauskatzen trotz gesetzlicher Bestimmung nicht kastrieren lassen.

Mit der Größe einer Kolonie wächst auch die Gefahr, dass sich die Tiere mit Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Katzenseuche anstecken. Katzen können bis zu dreimal im Jahr jeweils mindestens drei Junge zur Welt bringen. Da sie schon mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif sind, versuchen die Katzenfänger, sie so bald wie möglich zum Kastrieren zu bringen. Die jungen Katzen im 13. Bezirk befinden sich mit vier Monaten im richtigen Alter für diesen Eingriff. Drei der Tiere sind dem Katzenfänger schließlich in die Fallen gegangen. "Sie bringen sie aber schon wieder her?", fragt die ältere Dame besorgt.

Ein paar Straßen weiter gibt es für Hnat weitere Katzen zu fangen. Auch hier handelt es sich um ein Muttertier mit ihren Jungen, die immer wieder in einen Privatgarten zum Fressen kommen. Hnat stellt wieder die Falle auf und wartet in einiger Entfernung auf die Katzen. Während die Jungen sich auf das Futter stürzen, beschnuppert die Mutter vorsichtig die Falle. Die Kätzchen sind mit geschätzten zwei bis drei Monaten noch zu jung, um kastriert zu werden.

Kastriert, geimpft, gechippt


Nach langem Warten schleicht sich auch die Mutterkatze unter die Falle, Hnat zieht an der Schnur und die Kiste fällt zu Boden. Das Tier tobt und springt in der Falle auf und ab. Ein mitgefangenes Junges lässt Hnat wieder frei. Seine Mutter wird in einer Transportbox neben den anderen Katzen im Fahrzeug fixiert. Nun geht es weiter zum Tierarzt. Insgesamt unterstützen zehn Tierärzte und die Veterinärmedizinische Universität ehrenamtlich das Streunerprojekt. Einer von ihnen ist Gerald Zechner, der in seiner Praxis schon auf die Ankunft der Katzen aus dem 13. Bezirk wartet. Hier werden die Tiere klinisch untersucht. "Eigentlich waren die meisten Katzen bisher in einem guten Zustand - anscheinend werden sie gut gefüttert", meint Zechner. Weiters kastriert der Tierarzt die Katzen, entwurmt, entfloht und impft sie. Abschließend wird jede Katze gechippt, damit die Fänger wissen, welche Tiere bereits kastriert wurden.

Am nächsten Tag wird Hnats Kollege die Tiere zu ihren Plätzen zurückbringen und im Morgengrauen versuchen, die fehlende Mutterkatze und ihr viertes Junges zu fangen.