Wien. Während weltweit vor den negativen Folgen des Bauxitabbaus und der Aluminium-Produktion gewarnt wird, kümmert das die Dompfarre St. Stephan wenig: Täglich werden tausende neuer Alu-Opferlichter im Stephansdom entzündet. Täglich wandern ebenso viele in den Müll. Dabei gäbe es, wie andere große Wiener Pfarren vorführen, durchaus praktikable Alternativen.

Eine Studie der Universität Wien und der Umweltberatung aus dem Jahr 1998 zeichnet detailliert die umweltschädlichen Folgen der Verwendung von Opferlichtern im Stephansdom nach und beurteilt die ökologischen Auswirkungen als "sehr negativ". In den vergangenen Jahren haben die meisten Kirchen auf Alternativen umgestellt - etwa nur Kerzen, die aufgesteckt werden. Oder: Glas- statt Alufassungen. In anderen europäischen Ländern - wie etwa in Spanien oder Italien - wurden die Opferlichter überhaupt durch elektrische Kerzen ersetzt. Sie beginnen zu leuchten, wenn man eine Münze einwirft.

In der Studie wird die Zahl der verwendeten Alu-Opferlichter allein in St. Stephan mit 3 Millionen pro Jahr beziffert. "Toni Fabers Vorgänger haben eine Umstellung auf andere Opferlichter bereits in Auftrag geben. Faber hat derlei Bemühungen allerdings gestoppt", erklärt Isolde Schönstein von der Arge Schöpfungsverantwortung (eine kirchliche Umwelt-NGO, die die Verwendung von Alu-Opferlichtern kritisiert Anm.) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Demnach hat sich seit Erstellung der Studie zumindest im Stephansdom nicht viel verändert.

Eine Million Alu-Opferlichter ergeben 770 Kilo Aluminium und 280 Kilo Eisenblech. Umgerechnet auf den Stephansdom sind das 2310 Kilo Aluminium und 840 Kilo Eisenblech pro Jahr. Und laut MA 48 erfolgt die Entsorgung von Aluminium über den Restmüll, weil das nicht leicht trennbare Gemenge für ein Recycling wirtschaftlich uninteressant ist. Das Aluminium wird also im Zuge der thermischen Verwertung verbrannt und nicht wieder verwendet. Dazu kommt noch, dass es laut Studie keine Alu-Opferlichter gibt, die aus Recycling-Aluminium hergestellt werden.

"Alternativen zu teuer"


Zwar werden im Stephansdom auch andere Kerzen verwendet, für den Dompfarrer sind die Alu-Opferlichter jedoch noch immer die beste Möglichkeit, die er vertreten könne. "Wir haben alle Modelle, alle Möglichkeiten durchgerechnet. Kerzen mit Glas sind bei uns nicht praktikabel, weil wir so viele Opferlichter haben. Wir sind in unserem Wirtschaftsberatungsgremium zu keiner besseren Lösung als die derzeitige gekommen", meint Faber dazu.

Für ihn ist es also in erster Linie eine Kostenfrage. "Wenn sie sagen, Herr Dompfarrer, verzichten sie auf die halben Einnahmen durch die Opferlichter - mit denen ich aber 20 Mitarbeiter finanziere -, dann müssten wir schon sehr über unseren Schatten springen", so Faber. Außerdem sei es auch eine Frage der Atmosphäre. Bei der Verwendung von dreimal so schweren Glaskerzen gehe "die Mystik der tausenden Kerzen" verloren. Mit den kleinen Alu-Lichtern werde hingegen eine "intensive Gebetsstelle" geschaffen. Insofern sei die Lösung mit den Alu-Lichtern nicht ideal, "aber die derzeit praktikabelste - sowohl wirtschaftlich als auch pastoraler Natur", betonte Faber

Angesprochen auf die Anhäufung von unnötigem Aluminium-Abfall erklärte der Dompfarrer, dass man diesen an den Erzeuger zurückführe. "Der wird hoffentlich auch wieder benützt, das weiß ich aber nicht im Detail." Es habe jedenfalls bis dato keinen Vorschlag gegeben, der eine Alternative zur gängigen Praxis ermöglicht hätte, sagte Faber.

Woanders funktioniert es


In der Pfarre Jedlesee - Maria Loretto im 21. Bezirk wird das anders gesehen: Laut Pater Anton werden hier Kerzen mit Pfandbehältern aus Glas verwendet. Zwischen 32.000 und 42.000 Stück werden pro Jahr verbraucht.

In der Peterskirche im 1. Bezirk wiederum werden laut Pater Christian sowohl Glasopferlichter als auch herkömmliche Kerzen verwendet. "Seitdem ich die Peterskirche näher kenne, wird diese Art von Opferlichtern benützt. Sowohl die Kerzenrückstände als auch die Glasbehälter werden vom Lieferanten abgeholt und in wiederverwertbaren Kartons transportiert", erzählt der Pfarrer. Zwar würden diese Kerzen preislich höher als die Alu-Lichter liegen, "aber wir schlagen den Kirchenbesuchern einfach vor, einen Euro anstatt der üblichen 70 Cent zu bezahlen." Und der Mystik tut es auch keinen Abbruch.