Wien. In Wien ist es in den letzten Jahren schick geworden, auch in der kalten Jahreszeit bis in die späten Abendstunden hinein in den Gast- und Schanigärten zu sitzen. Nicht wenige mondäne Lokale der Innenstadt haben noch Mitte November im Freien denselben Hochbetrieb wie im Sommer. Auch auf der Lokalmeile des Naschmarktes dinieren die Restaurantgäste mit sichtlichem Vergnügen nach wie vor im Außenbereich. Um dies zu ermöglichen, haben die Wirte rötlich strahlende Heizgeräte über den Tischen montiert.

Weniger Freude als die Beiselbesucher hat damit der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch, der die neue Sitte der Beheizung von Gastro-Außenbereichen als "unglaubliche Energieverschwendung" bezeichnet. Schon im Dezember 2007 wollte er gemeinsam mit seinen Parteikollegen aus Klimaschutzgründen im Wiener Gemeinderat ein Verbot für die Aufstellung von Terrassenstrahlern im öffentlichen Raum herbeiführen. Allerdings hat der Antrag der Grünen damals bei Weitem nicht die notwendige Mehrheit gefunden.

In anderen Städten verboten


In deutschen Städten, etwa in Stuttgart oder Köln, hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits entsprechende Verbote gegeben. In Berlin war sogar auf Bezirksebene eine Regelung möglich: Dort hatte Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung im Stadtteil Pankow, im Wege einer Verwaltungsanordnung ein Verbot von Heizstrahlern für Schankflächen im öffentlichen Raum verfügt. "Nördlich der Alpen ist es im Winter eben kalt, die Straße zu beheizen ist pervers", sagt Kirchner. Die Klage eines Gastronomiebetreibers gegen das Verbot sei vom Gericht abgewiesen worden, so Kirchner.

Warum eine solche Regelung in Wien nicht so einfach ist, erklärt Wolfgang Khutter, stellvertretender Abteilungsleiter der Umweltabteilung (MA 22): "Ein Verbot von Heizstrahlern kann in Österreich nicht auf Landesebene bewirkt werden, dazu bedarf es der Änderung eines Bundesgesetzes, nämlich der Gewerbeordnung." Weil die Heizstrahler keine Beeinträchtigung von Nachbarn – etwa durch Lärm oder Luftschadstoffe – bewirken, können sie ohne Gesetzesänderung nicht verboten werden. Dem neuen Trend der Schanigartenbeheizung kann auch Khutter nichts Sinnvolles abgewinnen: "Ich halte das für mäßig intelligent."