Jugend im Parlament entstaubt das Politikerimage . - © Zolles/Ranz
Jugend im Parlament entstaubt das Politikerimage . - © Zolles/Ranz

Wien. Schüler laufen durch die Gänge des Hohen Hauses und gehen in den ehrwürdigen Räumlichkeiten ein und aus. Sie sind jedoch nicht hier, um das Parlament zu besichtigen. An diesem Tag sind sie selbst die Abgeordneten. Eingeteilt in vier Klubs beraten sie über einen fiktiven Gesetzesentwurf und erarbeiten ihre Positionen dazu. Das Jugendparlament findet zweimal jährlich statt. Innerhalb eines Tages sollen Schüler erleben, wie ein Gesetz zustande kommt. In Klubsitzungen beratschlagen sie über ihre Standpunkte. In Ausschusssitzungen tragen sie diese vor und in einer Plenardebatte wird schließlich über den Gesetzesvorschlag entschieden. Je ein Nationalratsabgeordneter begleitet ein Team.

Im Besprechungszimmer des Team "Türkis" geht es hoch her: Alle reden durcheinander. Die Jugendlichen können sich nicht auf einen Standpunkt zum Gesetzesvorschlag einigen. Soll "Politische Bildung" als eigener Unterrichtsgegenstand eingeführt werden oder nicht? Stella-Jo Thurner wurde zur Klubobfrau gewählt und versucht Ordnung zu schaffen. Schließlich wären die Standpunkte noch nicht in Stein gemeißelt. Nach der ersten Ausschusssitzung könne ja noch umentschieden werden. Die 14-Jährige ist sehr an Politik interessiert. Vor der Nationalratswahl habe sie sich alle Politiksendungen angeschaut. Sie weiß, dass sie später einmal politisch aktiv sein möchte: "Ich finde es spannend, mit Leuten zu diskutieren und gemeinsam Ideen zu finden."

"Was man selbst probiert, erlebt man anders"


Die mehr als 90 Schüler, die dieses Mal beim Jugendparlament teilnehmen, kommen aus Wien. Es werden immer Schulklassen der neunten Schulstufe aus jenem Bundesland eingeladen, das den Vorsitz im Bundesrat hat. Bevor sie das Wahlalter erreicht haben, sollen die Schüler im Jugendparlament für parlamentarische Abläufe interessiert werden.

Abgeordnete Katharina Kucharowits (SPÖ) hofft auch, durch das Jugendparlament das verstaubte Image des Parlaments wegzukriegen. Sie unterstützt das Team "Türkis". "Was man selbst ausprobiert, erlebt man anders", sagt Katharina Kucharowits. Sie ging vor acht Jahren in die Politik. Als Jugendliche wollte sie sich für ihre Altersgenossen einsetzen. Seit einem Monat sitzt sie nun im Nationalrat.

Ideologische Scheuklappen gibt es bei Schülern nicht


Auch Andreas Hanger von der ÖVP ist seit dieser Wahl Nationalratsabgeordneter. Er betreut beim Jugendparlament das Team der "Weißen". Er habe bemerkt, wie unvoreingenommen die Jugendlichen an Problemstellungen herangehen. Ideologische Scheuklappen wie in der realen Politik gebe es bei den Schülern nicht.

Die Teilnehmer des Teams "Weiß" mussten allerdings lernen, wie schwierig Personalentscheidungen sein können: Mehrere Schüler wollten den Posten des Klubobmannes haben. Hanger habe ebenfalls als Jugendlicher in der Schülervertretung und der Jungen ÖVP begonnen, politisch aktiv zu sein. "Ich hatte immer schon das Bedürfnis mitzugestalten. Nicht nur zu reden, sondern zu handeln", erzählt er.

Der Wunsch mitzugestalten und Dinge zu verändern


Auch Marc Srdits hat den Wunsch mitzugestalten und Dinge in Österreich zu verändern. Der 14-Jährige ist an Politik interessiert und möchte später gerne als Politiker arbeiten. Dass er gut argumentieren kann, zeigt er bei der Ausschusssitzung. Als Abgeordneter des Teams "Gelb" bringt er den Standpunkt seines Teams vor: Der Gesetzesvorschlag sei eine gute Idee, dennoch müsse er überarbeitet werden, um beispielsweise festzulegen, wie oft das Fach unterrichtet werden solle.

Abgeordneter Julian Schmid (Grüne) steht dem Team "Gelb" zur Seite. Die Jugendlichen sollen seiner Meinung nach sehen, dass die Arbeit der Abgeordneten etwas ganz Normales ist. Sie sollen erleben, wie die Abgeordneten arbeiten. Da er erst seit der letzten Wahl im Nationalrat sitzt, sei er eigentlich selbst noch dabei "reinzukommen" in die Arbeit als Abgeordneter. Von den Schülern könne er einiges lernen: "Die Kinder verstehen Politik ganz anders. Ideologien gibt es für sie noch nicht", meint Schmid.

Am Ende des Tages müssen die Jugendlichen ihre Plätze wieder den Politikern übergeben. Bis zum nächsten Jugendparlament können sie nur zum Besichtigen ins Hohe Haus kommen.