Wien. Das Wartezimmer ist gesteckt voll. Hunde in allen Größen und Farben warten mit Herrchen und Frauchen darauf, aufgerufen zu werden. Im Behandlungszimmer kauert eine schwarz-weiße Katze auf dem Untersuchungstisch. Durch eine Nadel bekommt sie eine Infusion. Auf dem Boden liegt ein Schäfermischling mit einem Trichter um den Hals. Ein junges Paar steht besorgt neben den Tieren. Sie streicheln die Katze und reden dem Hund gut zu. "Die Tiere sind wie gute Freunde für uns. Wenn sie krank sind, leiden wir mit", sagt Christoph D.

Wenn Hund Nils und Katze Katzi krank sind, kommen Christoph und seine Freundin in die tierärztliche Versorgungsstelle des Neunerhauses. Der neunjährige Nils hat eine Operation hinter sich und Katzi braucht regelmäßig Infusionen, weil sie mit den Nieren Probleme hat - Behandlungen, die normalerweise viel Geld kosten. In der tierärztlichen Versorgungsstelle sind sie kostenlos. Nicht nur Menschen, die auf der Straße leben, sondern auch solche, die in Übergangswohnheimen, Asylen oder Herbergen unterkommen, können ihre Haustiere von den Tierärzten im Neunerhaus versorgen lassen.

Das Neunerhaus ist ein Verein, der obdach- und wohnungslose Menschen unterstützt. In den drei "Neunerhäusern" in Wien bietet der Verein Wohnplätze für diese Menschen. Christoph und seine Freundin leben mit Hund und Katze in einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe. Zehn Mal waren sie mit Nils und Katzi bereits in der Versorgungsstelle. Hätten sie die Behandlungen bei einem normalen Tierarzt machen lassen, wären sie schon stark verschuldet, meint Christoph.

Die Versorgungsstelle in der Margaretenstraße im 5. Bezirk hat am Montag, Mittwoch und Freitag eine Stunde geöffnet. Robert Basika gehört zu jenen 14 Tierärzten, die ehrenamtlich in der tierärztlichen Versorgungsstelle arbeiten. Finanziert wird diese Einrichtung ausschließlich durch Spenden. Ihm zur Seite steht Assistent Christian Likoser, der selbst einmal in einer Obdachloseneinrichtung des Neunerhauses wohnte.

Arbeitslose Tierärzte


Heute lebt er in einer Gemeindewohnung, ist aber arbeitslos. Seine ehrenamtliche Arbeit in der Versorgungsstelle sei eine Tätigkeit, die ihm Spaß mache - und er sei froh, etwas anderes machen zu können als zu Hause zu sitzen. Während der Zeit als Wohnungsloser habe sein Hund ihm Halt gegeben. Mit dem Tier fühlte er sich nicht allein. Der Hund, die Katze oder die zahme Ratte seien oft der letzte Halt, der obdach- und wohnungslose Menschen vor dem Abrutschen bewahrt, meint Basika. Er habe beobachtet, dass diese Tierbesitzer viel besorgter um ihre Tiere sind als herkömmliche Besitzer.