Für Lehrer Stephan Ischovits (r.) ist der Nikolaus ein Spiegelbild der Liebe. - © Stanislav Jenis
Für Lehrer Stephan Ischovits (r.) ist der Nikolaus ein Spiegelbild der Liebe. - © Stanislav Jenis

Wien. Stephan Ischovits weiß, was zu tun ist. Die Kordel von seinem Kleid bindet er mit schnellen Griffen fest. Den Stab hält er fest in der Hand. Erhobenen Hauptes schreitet er auf die Klassentür der 2B zu. Er ist der Nikolaus und das seit mittlerweile 20 Jahren.

Der Religionslehrer von Hauptberuf macht das leidenschaftlich gerne, "weil es einen Wahnsinns- Spaß macht" und es komme so viel zurück. Nach lautem Klopfen steckt er seinen Kopf in den Türspalt hinein und auch, wenn ihn alle kennen, den "Stephan", ein Moment der Ehrfurcht ist bei jeder Begegnung dabei. "Gott grüß euch hier in diesem Haus, ich bin für heut der Nikolaus", spricht er, und die Kinder grinsen. "Du bist der Stephan." "Hast du den Krampus auch dabei?" "Ist das pures Gold?" - die Schüler können sich kaum bremsen. Stephan Ischovits bleibt ruhig. Fragen wie diese kennt er gut. Oft würden die Kinder herumstreiten, wer denn jetzt was macht: Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind. "Wenn der Nikolaus seinen Nikolaustag verschläft, dann wacht er am Heiligen Abend auf und huscht im roten Pyjama zu den Kindern und bringt die Geschenke", erzählt er dann seine Geschichte. So könnte es gewesen sein, aber genau wisse er das natürlich nicht.

Der Nikolaus von heute zeigt sein wahres Gesicht. Böse Sprüche liegen dem Lehrer fern. Auch den Krampus wünscht er sich nicht als Begleiter, obwohl die Kinder immer wieder danach fragen. "Der Krampus wurde von schlimmen Eltern erfunden, die ihre braven Kinder sekkieren wollen", erklärt er dann auch den Kindern. Denn im Grunde hat der heilige Mann aus der Türkei allen armen Kindern etwas gebracht, ob brav oder schlimm. "Ich komm auch aus der Türkei", sagt ein Bub. "Dann bist du der Ururururenkel vom Nikolo", ruft sein Sitznachbar erfreut. Der Bub strahlt und darf sich auch gleich in dem üben, was den Nikolaus eigentlich ausmacht, im Teilen. Er greift in den großen Jutesack. "Und wem möchtest du das jetzt schenken?", fragt der Nikolaus. "Denn auch in dir steckt immer wieder mal ein Nikolaus."

"Ein bissl Nikolaus sein"


In der 4. Klasse der Volksschule Landstraßer Hauptstraße im 3. Bezirk hat es der Nikolaus alias Stephan Ischovits schon schwerer. "Du bist doch nicht der Nikolaus", ruft Franziska. "Hat der Bischof überhaupt eine Frau?" Die Frage wird prompt von einem Mitschüler beantwortet: "Der darf keine Frau haben." Selbst der Nikolaus kann nicht auf jede Frage eingehen und so pfeift er den "wilden Haufen" zur Ordnung. "Versucht, auch ein bissl Nikolaus zu sein", verabschiedet er sich an diesem Tag von der Klasse.