Wien. (vasa) Ein Teil des Rathauscarrées wird nun abgerissen. Es handelt sich um das Gebäude des ehemaligen städtischen Rechenzentrums an der prominenten Adresse Rathausstraße 1 an der Ecke zur Zweierlinie. An seiner Stelle wird 2015 ein Neubau errichtet. Der Nachfolger des von Architekt Harry Glück 1980 errichteten Glaswürfels wird von den Architektenbüros Stadler Prenn, Ostertag Architects sowie Schuberth und Schuberth konzipiert. So wie das Gebäude des Rechenzentrums wird auch die Fassade des Neubaus hauptsächlich aus Glas bestehen.

Das Areal liegt am äußersten Eck des Rathauscareés, ein undankbarer Platz, bei dem man nie so richtig wusste, wie man ihn nutzen sollte. Vor dem Rechenzentrum stand dort das Forum Kino, davor war es eine Markthalle. Der Neubau soll laut Sigrid Oblak, Geschäftsführerin der Immobilieneigentümer Wien-Holding, ein Bürogebäude werden mit Einzelhandel in Erd- und Untergeschoß.

Hälfte der Räume nicht natürlich belichtet

Für den Abriss hat man sich entschlossen, da das alte Gebäude modernen Anforderungen nicht mehr entsprochen habe, sagt Oblak. "Mehr als 50 Prozent der Räumlichkeiten waren nicht natürlich belichtet", benannte die Geschäftsführerin des im Besitz der Stadt Wien befindlichen Konzerns ein Hauptproblem des jetzigen Hauses. Außerdem würden einige Raumhöhen nicht mehr der Bauordnung entsprechen, energietechnisch sei der Bau ebenfalls alles andere als "state of the art". Deshalb wird der - ästhetisch durchaus umstrittene - "Glaspalast", der seinen Haupteingang an der Rathausstraße hatte, bald in Scherben liegen.

Im Vorfeld wurde spekuliert, dass an der Stelle des Rechenzentrums ein Hochhaus gebaut werden könnte. Bei der Wien Holding hat man sich dieser Idee prinzipiell nicht verschlossen, der Architekturwettbewerb wurde auch sehr offen gehalten, sagt Oblak. "Wenn ein Hochhaus aber nicht das Mehr an Qualität bringt, dann spricht nichts dafür. Am Ende des Tages haben wir auch auf die Wirtschaftlichkeit geschaut." Diese wäre bei einem Hochhaus nicht gegeben gewesen. Und Platz hätte man mit dem 30 bis 40 Millionen teuren Gewinnergebäude genug.

145 Einreichungen bei EU-weitem Wettbewerb

Der Wettbewerb wurde EU-weit ausgeschrieben, es gab 145 Einreichungen. Im Vergleich zu anderen Projekten wirkt das Siegerprojekt eher unauffällig. Bezüglich der Höhe habe man sich am historischen Traufenniveau des Rathauscarreés orientiert, erklärte Planer Gregor Schuberth. Sechs Regel- und zwei Staffelgeschoße sollen auf rund 12.500 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche Platz finden.

Oblak sieht im Siegerprojekt die Anforderungen - "ein Höchstmaß an Eleganz, technischer Einfachheit und Energieeffizienz" - erfüllt. Wer in den Neubau einziehen wird, ist noch unklar. Man verhandle sowohl mit Interessenten der Stadt als auch von privater Seite. Die Mitarbeiter des Rechenzentrums sind jedenfalls bereits Anfang des Jahres in das neue Magistratsgebäude im 22. Bezirk übersiedelt.

Der Abriss des "Glaspalastes" passiert übrigens im Einvernehmen mit dessen Architekten Harry Glück, der sich vor allem durch seinen futuristisch anmutenden Wohnpark Alt-Erlaa einen Namen gemacht hat. Man habe mit ihm über die Pläne gesprochen, so Lainer - denn: "Es ist immer schwierig, jemandem, der noch lebt, das Haus wegzureißen."

Alle Wettbewerbseinreichungen werden im Rahmen einer Ausstellung präsentiert und können von 11. 12. bis 18. 12. täglich von 14-19 Uhr in der Rathausstraße 1 besichtigt werden.