Wien. Es war 2009, im Jahr, nach dem die USA einen neuen Präsidenten gewählt hatten, der ihnen Hoffnung gab und Wandel versprach. Da saß Erwin Perzy III. in seiner Werkstatt in der Wiener Schumanngasse und musste seine neueste Schneekugel noch einmal aufschrauben. Schuld daran war eben dieser neue Präsident, Barack Obama. Gerade als die Begeisterung für Obama erstmals abzuflauen drohte, blickte die Nation noch einmal verzückt ins Weiße Haus, denn dort hatte Obama gerade eines seiner Wahlversprechen eingelöst und seinen Töchtern ein Haustier geschenkt, den portugiesischen Wasserhund Bo.

Das hätte Erwin Perzy eigentlich herzlich egal sein können, aber auch er hatte gerade ein Geschenk für Obamas jüngste Tochter Sasha fertiggestellt: eine Schneekugel mit der "First Family" als Miniaturfiguren. Da durfte das neue Familienmitglied nicht fehlen, und so bastelte Perzy noch einen schwarzen Hund dazu.

Seit 113 Jahren werden in der Schumanngasse 87 in Hernals Schneekugeln hergestellt, 2002 schenkte sich die Gründerfamilie Perzy ein Museum zur Manufaktur. Das Duplikat der Obama-Schneekugel ist aber nur eines von dreien im Museum, die ihren Weg ins Weiße Haus gefunden haben: Ronald Reagan hatte eine Schneekugel mit einer Miniatur des Farmhauses seiner Reagan-Ranch, und Bill Clinton bekam von einem Freund eine besondere Kugel geschenkt: Statt Schnee enthält sie goldene Konfettischnipsel - jene, die bei seiner Siegesfeier von der Decke regneten.

Kugelmeister Erwin Perzy produziert für Präsidenten und Kaiser. - © Luiza Puiu
Kugelmeister Erwin Perzy produziert für Präsidenten und Kaiser. - © Luiza Puiu

Das Museum erzählt die Geschichte, wie es so weit kam: 1900 versuchte der Chirurgieinstrumentenmacher Erwin Perzy, die Glühbirne zu verbessern. "Das Licht von Glühbirnen war zu dunkel für Operationssäle, damals wurden dort noch Gaslichter mit Flammen verwendet - die natürlich nicht steril waren", erzählt sein Enkel mit demselben Namen. Er füllte unter anderem eine Kugel mit Wasser und Licht reflektierenden Stoffen. Er scheiterte letzten Endes zwar an der Verbesserung der Glühbirne, erfand aber im Zuge der Experimente die Schneekugel - die er damals "Glaskugel mit Schnee-Effekt" nannte. Die erste Kugel enthielt eine Zinnminiatur der Mariazellerkirche; ein Geschenk für einen Freund, das längst verschollen ist. Dafür gibt es im Museum die Werkbank des Gründers und eine immerhin rund 90 Jahre alte Kugel zu sehen - wie bei allen frühen Kugeln schneit es darin auf eine Kirche.

"Mein Vater hat nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen, auch etwas anderes als nur Kirchen zu machen: einen Weihnachtsbaum, einen Weihnachtsmann und einen Schneemann", erzählt Perzy. Seit damals werden die Kugeln auch in die USA exportiert. Wo sie im Film "Citizen Kane" genauso aufgetaucht sind wie in "Edward mit den Scherenhänden" oder in "Kevin allein zu Haus". Bei den drei Motiven ist es natürlich nicht geblieben.