Bei dieser Tagung, die von dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN), Wien, im Zusammenhang mit dem Lanckoroński-Forschungsprojekt einberufen wurde, um einen Überblick über sein Leben, aber auch über die Forschungsdesiderata zu bieten.

Es sprachen eine ganze Reihe von Fachleuten und es gab selbst für die Fachwelt einige neue Erkenntnisse. Hier ein Überblick in Stichworten:

Katrin Jilek, Handschriften-Zuständige der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien, referierte über den Stand der Nachlass-Erforschung und die Erschließungssituation.

Aleksandra Szymanowicz-Hren
, Kunsthistorikerin, Krakau / Wien, charakterisierte die Kulturpolitik im kaiserlichen Wien am Beispiel der Errichtung des – heute nicht mehr existierenden – Moritz-von-Schwind-Denkmals, dessen wesentlicher Initiator Lanckoroński war.

Lukas Cladders, Politikwissenschafter, der die Situation der österreichischen Sammlungen ab 1919 erforscht, beschrieb den kulturpolitischen Akteur Karl Lanckoroński und dessen Bemühungen um die Integrität der österreichischen Sammlungen gegen Reparationsansprüche.

Ewa Manikowska, Kunstgeschichtlerin, Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau, vertreten durch Anna Ziemlewska, PAN-Wien-Vizedirektorin, stellte die Bedeutung "Alter Meister" für nationales Selbstverständnis und die Entstehung der polnischen kulturellen Identität zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor.

Jerzy Miziołek, Direktor des Universitätsmuseums Warschau, veranschaulichte Lanckorońskis Truhenmalerei-Sammlung – Lanckoroński war auch Autor der Fachpublikation "Einiges über italienische bemalte Truhen (1905)  –  und das "domestic painting".

Joanna Winiewicz-Wolska, Kunsthistorikerin und Kuratorin Schloss "Wawel", ging auf die Arbeit Lanckorońskis als Denkmal-Schützer ein, als der er in alle wichtigen Angelegenheiten dieser Art eingegriffen hätte, aber auch das Banausentum und Indifferentismus bekämpfte.

Barbara Ochendowska-Grzelak, Kunsthistorikerin an der Adam-Mickiewicz-Universität, Posen, sprach über das Verhältnis zwischen Lanckoroński und Hans Lutsch, Preußens Denkmal-Konservator -  zwei sehr unterschiedliche Personen, die aber auch viele Gemeinsamkeiten hatten.

Hubert Szemethy, Archäologe der Universität Wien, verdeutlichte Lanckorońskis Verdienste um die Archäologie und die Kleinasien-Forschung; er präsentierte außerdem ein bislang weitgehend unbekannte Ton-Dokument, auf dem Lanckorońskis Stimme zu hören ist.

Joachim Śliwa, Ägypten- und Nahost-Archäologie-Experte der Jagiellonen-Universität, Krakau, beschrieb die Terrakotta-Ausgrabungen der Pamphylien- und Pisiden-Expedition (1884) sowie die nun im Lanckoroński-Palais in Rozdół aufgefundenen antiken Skulpturen.

Piotr Salwa, Direktor der PAN-Dependance in Rom, beschrieb die Lanckoroński-Fotothek (ursprünglich etwa 60.000 Positive, derzeitiger Bestand etwa 45.000), die mit der Berenson-Fotothek vergleichbar ist – und die Pläne zur Aufarbeitung.

Adam Korczyński, Historiker an der Jagiellonen-Universität Krakau, charakterisierte die Fotografien, die anlässlich der Ceylon-Expedition (1888/89) entstanden sind und interpretierte diese.

Monika Faber, Kunstgeschichtlerin und Archäologin, Wien, berichtete über jene Künstler-Reise nach Kairo (1875), die von Leopold Carl Müller initiiert wurde und an der neben Lanckoroński und Hans Makart eine Reihe weiterer Prominenter teilnahm.

Danuta Jackiewicz, Fotografie-, Ikonografie- und Handschriften-Kuratorin des Nationalmuseums Warschau, stellte aus der Sammlung des Leon de Vaux, der mit Lanckoroński verschwägert war, Fotografien und Zeichnungen vor, die das Leben und die öffentlichen Aktivitäten des Lanckoroński widerspiegeln.

Susanne Winkler, Kuratorin im Wien Museum, referierte über den Stadt-Fotografen August Stauda, der – oft im Auftrag Lanckorońskis -  die städtebaulichen Veränderungen und den Untergang "Alt-Wiens" dokumentierte.

Die Tagung wird mit einer umfangreichen Publikation dokumentiert, die Ende 2014 sowohl in deutscher wie auch in polnischer Sprache erscheint.